Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Dietmar Dath, Waffenwetter. Man könnte viel sagen über dieses Buch, noch mehr über seine Beziehung zu früheren Büchern des Autors und über Daths Beziehung zu Leserschaft und Figuren, weil sie von einem ungewöhnlichen Glauben durchdrungen ist. Lassen Sie mich das alles so zusammenfassen: Es ist unglaublich interessant und sehr gut. Einen Eindruck davon, wie interessant es ist, bekommt man auf der Webseite claudiastarik.de

Dath (der Hegelianer) macht aus HAARP (der sinistren Anlage, dem paranoiden Diskurs, dem undurchsichtigen Wald aus Sende-Empfangs-Elementen) das einzige, was man daraus vernünftigerweise machen kann: Ein Interface zum Denken.

im innersten auf standarten und speeren in silber und hitze, rauf und runter kriecht ein vielfingriger blitz wie eine alte hand aus feuern, schlangen, schlauen

Link | 31. August 2008, 22 Uhr 58


Institut für Sprache im technischen Zeitalter

Link | 31. August 2008, 13 Uhr 04


vage wütend heute
daths waffenwetter lesend
auf irgendwas wartend
mach hin mach hin mach hin
darum mag ich den dath
weil es immer um geilheit geht
das ist ja doch alles nur rocknroll bei ihm
through the window of the church at night
confessing to the broken priest

Link | 30. August 2008, 14 Uhr 09


“Designing an aircraft is like creating a mini-world,? Mr. Newson said. “You’re putting people in a confined environment and controlling how they’ll feel with the oxygen, humidity and everything they touch and see. It all has an effect.?

(nyt via bldblog)

Da ist er ausgesprochen, der totalitäre Traum der Einheit von Design und Kontrolle, den Design immer träumt, der sich aber nirgendwo mit so viel Selbstverständlichkeit verwirklichen darf wie in der Flugzeugkabine, die das Problem der global optimalen Aufbewahrung menschlicher Körper über definierte Zeiträume löst. Als Frage an den Einzelnen stellt sich dabei nicht, ob er bereit ist, diese Kontrolle zuzulassen — sie ist rational und unvermeidlich — sondern ob er sie erträgt. Ertrage ich es, meine Müdigkeit (und das ist: meine Schwäche) justiert zu wissen im Sinne der kostenoptimalen Verbringung von 400 Körpern über den Atlantik, die ich als rational einsehe? Es ist eine Frage der Disziplin.

[Weihnachten 2006, als der übliche Modus selbstvergessenen Funktionierens an einem einzelnen Gate in Stuttgart wegen Schnee in Wien zusammenbrach, konnte man den Flughafen kurz erkennen: Als Raum, der gestaltet war, um Zwang auszuüben; der uns an den Pakt erinnerte, den wir eingegangen waren an den Schleusen; wir waren in der Hand der Infrastruktur. Die Türen waren verschlossen, die Rebellen unter uns wurden mit Gutscheinen und Drohungen behandelt, nach zwei Stunden übernahm eine Art Eingreiftruppe die Regie; unter Einsatz aller Mittel von Autorität, Psychologie und Atemluft wurden wir beruhigt und nach Berlin verbracht, zu einem Zeitpunkt, da wir längst nicht mehr wollten, weil wir essen und schlafen wollten und auf einen neuen Tag warten. Eine harmlose Geschichte: Vier Stunden.]

Link | 30. August 2008, 11 Uhr 22


Die Siebenjährige, die mit ihrer Mutter hinter mir einstieg, raunte schon an der ersten Ampel beschwörend: Los, fahr weiter, Straßenbahnane! Fahr, fahr endlich, Straßenbahnane!

Link | 30. August 2008, 10 Uhr 18 | Kommentare (1)


Ich könnte immer so weitermachen. Den Bäumen und den Bahnen draußen zuhören, die Fenster öffnen und einatmen und die Augen schließen; in der Sonne sitzen mit Büchern, die von Menschen handeln, die in der Sonne sitzen, oder mit Luftschiffen durch das Innere der Erde fahren. Neuerdings habe ich einen mächtigen, vornehmen Schreibtisch: Wenn man mich sehen könnte von der Straße aus, sähe man einen Mann, der vom Schreibtisch sich erhebt, der ans Fenster tritt in einem leicht in Unordnung geratenen Hemd, mit einem Glas, mit einem verzögerten Schritt, mit einem müden Blick; einer, der ewig so weitermachen könnte.

Die Verkehrsbetriebe ziehen beleuchtete Kabinette an mir vorbei, darin reglose Menschen auf dem Weg nach Hause sitzen. Alles geschieht beiläufig; die Dichte der guten Momente ist keinesfalls bemerkenswert hoch. Die Beiläufigkeit ist sprachlich nicht zu fassen, gelingen könnte es mit der Kamera, wenn man einen Film für niemanden drehte, einen Film, der nichts zeigt und den niemand sich ansehen wird. Wenn die Kamera allein ist und nichts auslässt, für niemanden, ist das Leben bei sich. Man braucht nichts außer Zeit, wir haben so viel davon.

[Meiner Selbstzufriedenheit ist unbedingt keine Sekunde lang zu trauen, ich schlafe schlecht vor Aufregung, bei der geringsten Gelegenheit leiste ich mir Extravaganzen der Träumerei; jedes Bild, das man mir andeutet, baue ich aus zu Kaskaden möglicher Leben und Konstellationen in nächtlichen Rasereien des Sich-alles-vorstellen-Wollens; zwanzig Minuten hellwacher Schlaf, dann ein Glas Wasser, zurück, einschlafen, aufwachen, Musik hören müssen, wach liegen, halbwach liegen.]

Link | 25. August 2008, 22 Uhr 26 | Kommentare (1)


Thomas Pynchon, Against the Day:

„He might be conspiring in secret.“

Link | 17. August 2008, 15 Uhr 24


so durchscheinend und hell

Link | 15. August 2008, 23 Uhr 08


Die ausgebrannten Metallrahmen der Plakatwände blickten aus verhängten Augen über die schnurgerade Strecke hin, die, vierspurig und an den Rändern zerfressen von aufsässigen Gräsern, noch immer hinausführte aus einer Stadt, die zu verlassen ein ungewöhnliches Unterfangen geworden war. (Jack Gibbs, Burnout)

Allein die unwahrscheinliche Langsamkeit, mit der ein Thema sich in Bücher verwandelt, sich türmt auf dem Schreibtisch und den Regalen: Gekommen, um zu bleiben. Langsam sind auch die Aufregungen in der Einsamkeit, lange Nächte ungeteilter Begeisterung — es ist die Anwesenheit der Anderen und ihres Blicks, die eine Aufregung (eine Konzentration der Kräfte) so unappetitlich manisch werden lässt. Im Blick der anderen nicht manisch zu werden, auch nicht manisch unberührt (also guruhaft), das geht nur aus einer von allen geteilten Überzeugung heraus, daß Anerkennung ein lokales Phänomen sei und eines, das qualitativ zu bewerten ist. Selbstverständlich lag es immer im Wesen der Massen und ihrer Medien (gleich ob symmetrisch oder asymmetrisch), solche Überzeugungen zu zerstören. Der Blick, den wir von anderen erwarten, ist deshalb nachsichtig, aber er weiß, was er alles nachsieht — wir wissen uns, als Maniker, unter dem milden Urteil einer Totalität stehend, die auch sehr viel härter urteilen könnte. (Daß wir nicht wissen, wie genau ihr objektives Urteil lauten würde, erregt uns ob der Möglichkeit, vielleicht doch keine Milde nötig zu haben.)

Interessant und wertvoll sind diejenigen, die autonom genug mögen, um eine Zelle der Freiheit um sich zu erzeugen, in der das Urteil der Totalität keine Macht besitzt (oder nicht einmal zu hören ist). Ihr Geheimnis ist nicht, willkürlich zu mögen, Willkür und Autonomie sind nicht dasselbe, sondern in nachvollziehbarem Bezug auf das vollständige und kohärente Referenzsystem ihrer Person; einer Person, die sich selbst genügt und aus sich selbst und ihren unmittelbaren Bedürfnissen, gleich wie komplex sie seien, zu leben vermag.

[i++]

Link | 15. August 2008, 8 Uhr 57 | Kommentare (2)


Das kann ja nicht gesund sein
Die Stresemannstraße runterzustürmen
Die Ärmel halb hochgekrempelt
Hände in den Hosentaschen geballt
Mit sauberen schwarzen Schuhen
Und weißem Hemd
Und dabei laut zu verkünden
Scheißdreck
Gestatten Göring
Reichsmarschall Göring

Lange wollte ich nichts so sehr
Wie dieser blöden [unfeines Wort] die Knipse aus der Hand zu schlagen
Daß sie sieben Meter über die Tempodrom-Mangege wegflöge
Als das Licht anging und das heilige Gedresche los
Nach zwölf Minuten Drahtseil/Track 8
Von der ()-Platte
Und die Schnalle macht immer noch Bilder

Gott, gehen mir die Leute auf den Sack
Dieses ganze sorgfältig frisierte
Disziplinlose
Unkonzentrierte
Gelangweilte
Unkonzentrierte und gelangweilte
Ungeduldige
Immer zur nächsten Leere drängende
Dieses
SCHAFSBLÖDE
Wabblige
DRECKPACK.

Link | 14. August 2008, 1 Uhr 00


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