Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Zweimal — genau zweimal — flackerte Berlin in dieser Woche: Einmal wurde eine Stadt sichtbar, in der Männer mit zu langen Haaren und grauen VW-Bussen immerzu herumfahren und Sachen abholen. Eine Stadt in der das der Lebensinhalt der Männer ist: Mit VW-Bussen etwas abzuholen, eine Bank, einen Motorblock, so Platten, und daraus etwas zu bauen; manchmal stellen sie das aus und trinken Bier: Berlin. Das zweite Flackern enthüllte ein Schlösschen am Waldrand, auf der Rückseite umstanden von kaltem, nassem, leuchtendem, ansteigendem Wald, davor: ein kleiner Park und ein Springbrunnen. Ein Ort für Mädchen mit kleinen Nasen, die den Blick gesenkt halten, wobei ihnen eine einzelne, schwarze Korkenzieherlocke ins Gesicht fällt.

Link | 25. Juli 2009, 22 Uhr 50


Immerhin die zweite hälfte der Demo wirkt einigermaßen wach. Es wollte schon scheinen als halte es die komplette Linke inzwischen für angemessen, nach SA auszusehen.

[da ist sie wieder, die Samstagsatemlosigkeit, das müsste beleuchtet und verstanden werden, auch das Transparent „Elend kennt kein Mitleid“ und der Wandel in der Legitimierung von Widerstand, der sich da vollzieht, aber in der Enge dieses Samstags wird nur halbgarer Unsinn herauskommen, ich muß mich zwingen, die Finger davon zu lassen; warum bin ich nicht da unten, wenigstens lernen? Orson Welles ist die Antwort, ich bin noch nicht durch, -]

Link | 18. Juli 2009, 18 Uhr 18


Gotcha!

Link | 18. Juli 2009, 15 Uhr 59


Überhaupt Dick Cavett: Hier ist die Sendung mit John Cleese.

Link | 18. Juli 2009, 14 Uhr 06


nor gods nor men his neighbors!

[so geht es, genau so]

Link | 18. Juli 2009, 12 Uhr 17


Mein Lieblingsgedanke zum verschollenen Moby Dick Rehearsed-Film ist dieser: Wenn die BBC ihn 1955 ausgestrahlt hat, ist er nicht verloren, sondern nur weit weg: Etwa 54 Lichtjahre. Ein Radioarchäologe der Zukunft könnte das Signal wiederfinden im Echo eines Sterns auf der Oberfläche einer Kugel mit dem Zentrum Erde und dem Radius x-1955 Lichtjahre — einfach nur um Orson Welles‘ Schicksal zu ärgern. Ich mag die Vorstellung, daß Radioarchäologen der Zukunft einen Sinn für derlei Dinge haben könnten.

Link | 18. Juli 2009, 11 Uhr 31 | Kommentare (5)


Spukige Vertrautheit! ach, könnte ich —

[Fast sind wir Figuren, natürlich bewegen wir uns inzwischen beinah im literarischen Raum; d.h.: in einer Potenzialität, die nur noch nicht realisiert ist, weil dies die Lebensjahre sind, die die sozioökonomische Realität zu Prüfungsjahren bestimmt hat. Aber die grünlichen Straßenbahnphantome der Phantasterei folgen den gelben Straßenbahnen der BVG schon im Abstand von wenigen Zentimetern als verschwommene Überlagerung — der Übergang wäre einfach: die paar Zentimeter nicht bewegen, die gelbe Bahn durchfahren lassen und im transparenten Waber wieder nach einer Schleife greifen. Die Zeit der Utopiedeprivation muß ja vorbei sein; es muß eine Zeit kommen, in der nicht alle „Fight Club“ als ihren Lieblingsfilm führen müssen, weil sie sich so schämen und diese Scham so unausweichlich systemkonform ist, wo Kontrolle institutionalisiert und Schuld individualisiert ist*; auch wird eine Zeit kommen, in der die Kaufleute wieder selbst Kaufleute sein werden, schalten Sie nicht um, mehr auf diesem Kanal; aber immer mit der Ruhe. Die Rekonstruktion des begeisterungsfähigen Geistes als Subjekt der Geschichte erfordert ein bisschen Zeit und Aufmerksamkeit, inzwischen senden wir Musik.]

[* atme nicht, Du bist eine CO2-Quelle zu viel; sprich grün, um dich zu exkulpieren, derweil sinistre Mächte durch dich handeln, und, wichtigster Imperativ des neoliberal/ökologischen-Fusionideologiekomplexes für rechts und links und alle die wir kennen: Hasse dich selbst für Wohlstand und Bildung, also deine Chancen, ein freier Mensch zu sein.]

Link | 15. Juli 2009, 0 Uhr 08


Unter den zahlreichen Definitionen, die Roland Barthes in Die Vorbereitung des Romans nennt (ich kenne bisher nur die ersten beiden Vorlesungen), gibt es eine, die mir besonders gefällt: Der Roman sei ein Diskurs ohne Arroganz — dann wäre jeder Mittekunst-Diskurs ein Diskurs reiner Arroganz, der Diskurs des Unternehmers der einer notwendigen Arroganz. Barthes, der große Theoretiker des Sanften (und diese Formulierung enthält den Widerspruch, aus dem wir leben).

Link | 14. Juli 2009, 22 Uhr 00


Ich erwache; durch mein offenes Fenster dringen die Geräusche geometrischer Anlagen und in der Sonne schmelzenden Eises.

Link | 11. Juli 2009, 11 Uhr 29


Was ich Ihnen übrigens wirklich empfehlen kann, ist Susanne Heinrichs Text über die Kunst von Cassavetes in der gerade erschienenen OPAK #2 — anders als mein eigenes, grimmiges, besserwisserisch-wütendes Stück auf der Seite davor behandelt er sein Sujet mit viel Liebe und beschreibender Aufmerksamkeit.

Den Rest des Hefts muß ich noch lesen, Updates folgen …

// Style und Schein (Frauenfiguren in romantischen Komödien): Extrem heißes Thema, ich warte seit Jahren darauf, daß jemand das in den Griff kriegt und mir die verlogenen Selbstzufriedenheiten auf diesem Gebiet erklärt. Die Frauen in Patrick Tippelts Text scheitern daran aber in der vertrauten, in den Filmen selbst immer wieder verhandelten Weise: Als mehr oder weniger mit sich Unzufriedene vor einer übermächtigen Herausforderung. Eine korrekte weibliche Haltung zu diesen Filmen scheint so verpflichtend, aber flüchtig wie Kleidergröße 38. Heraus kommt dieses dauernde Scheitern vor dem Selbstanspruch, das, wie immer seit SATC, mit So What? und der matten Aufputsch-Worthülse von der Starken Frau quittiert wird — nun, das wird dieser Postfeminismus sein.

// How to Recycle Trash TV: Eigentlich dasselbe, nur ohne die Geschlechterfrage. Alle gucken denselben Mist. Und niemand braucht sich mehr zu schämen. Niemand? Nun: Beg to disagree. Lasst es einfach, oder macht Euch klar, warum es doch gut ist. So einfach wäre das unter mit sich selbst ehrlichen Menschen.

// Helden auf Hartz IV: Journalistisches Stück mit Interview, erinnert vom Seinwollen her an die erste OPAK-Ausgabe. Eigenwillig festumrissene Auffassung vom „Whistleblower“ — fast als sei es eine Lifestyle-Entscheidung, einer zu werden, eine Entscheidung für eine Lebensform, die vorherige Beratung erfordert.

// Hinter dem Abholzettel: Jetzt will ich auch bei Elsa nähen lassen. Ehrlich!

// Gegants: … und nicht zu letzt lernt man hier etwas über den fabelhaften Maurizio Cattelan!

// Hotel Mongolia – On a Dark Steppe Highway – Reisebericht, womit ich leicht zu überzeugen bin. Gelingt in diesem Fall, allerdings endet auch dieser Text mit der inzwischen schon vertrauten Portion galligen Selbstekels. Falls OPAK die Stimme von irgendwas ist, mache ich mir Sorgen.

// Einwischer und Abzieher: Nett. Interessanter die Gegendarstellung unten rechts. Ein Autor der ersten Ausgabe „zieht seinen Namen zurück“.

// Verstand aus Schmutz: Text von Dietmar Dath. Vielen Dath-Texten ist gemein: Sie sind wach, voller Anspielungen und knapp nichtformulierten Zitaten, von einiger Klugheit, sie handeln vom Guten, das sie manchmal Sozialismus nennen, sie sind schnoddrig formuliert, und ich mag sie sehr. Das hier ist einer von diesen. Keine Offenbarung, dafür ist mir Dath spätestens seit dem Honigbuch zu vertraut, aber natürlich, lest Dath, lest Dath, Leute.

// I don’t kehr: Pflegt den sonderbaren Duktus. Spricht soziologischen Wissenschaftsjargon, bei dem ich nicht sagen kann wie unscharf er verwendet ist, wertet aber permanent. Zweifelhaft ediert ist er auch: Arbeit in dieser Form zur Reinigung in den Parks, Hotels und Bars gab es so vor 100 Jahren nicht. Was selbst korrekt formuliert eine Banalität wäre — zumal das Argument unklar ist. Der Autor macht seinen Dreck noch immer am liebsten alleine (sic) weg, das ist sein Punkt. Diese Haltung ist nun zweifellos anständig, dummerweise dürfte es aber kaum eine Bezugslinie nach 1909 geben, als auch Wohnhäuser gern mal zwei Eingänge hatten, einen für die, die den Dreck wegmachen, und einen für die, die das nicht tun. Womit sich der Autor also selbst ins Kreuz gefallen wäre, aus Versehen — ich bin kein Soziologe, aber es kommt mir so vor, als sei der relativ breite Konsens, daß jeder seinen Dreck am besten selbst wegmache, eine Errungenschaft der Mittelstandsnivellierung im Westen und des sozialistischen Lebens im Osten gewesen, in jedem Fall aber eine Nachkriegserscheinung.

// Von Straight Edge zu Schmutz: Das ist natürlich viel besser und lustiger und schöner als das ganze beflissene Studentenzeug.

// lasse viel von den Musiksachen aus, nur kursorisch gelesen. Das Metric-Nicht-Interview, nun.

// Feuer gegen den Glanzverfall: Super Titel, ausgesprochen gute Fotos, dringendes Thema und offenbar interessantes Buch. Lefeu: vorgemerkt, danke!

// blättere, kann nicht mehr. Irgendwo steht, ein Buch sei gut zum Abschalten und Nachdenken. WTF? Blättere schnell weiter. Will schnell zu Monochrom. Beschließe, einfach zu Monochrom zu blättern. Alles mit Monochrom ist toll. Monochrom sind nämlich Österreicher, subversive Kultur-Wiener, um genau zu sein, und das ist die beste Sorte Österreicher. Man könnte sagen, Grenzfurthner ist ein großes Vorbild von mir, ein wirkungsloses halt. Und er spricht zu OPAK: Es gibt Profis und AmateurInnen des Dumpfen. Die Krone sehen wir da ganz weit vorn. Wir sind froh, mit solchen MedienpartnerInnen zusammenarbeiten zu dürfen, statt mit liberalen Nullmedien, die alles ins Nirwana bildungsbürgerlicher Halbwahrnehmung durchwinken. Kann man das bitte ausdrucken, in riesengroßen roten Buchstaben? Danke. Und dann noch mehr Gescheitheit: Weil er nämlich das mit dem Selbstekel durchschaut und einfach sagt. Die halbe OPAK-Nummer ekelt sich ja so bewusstlos vor sich hin vor sich selbst, und genau deswegen auch nicht grundlos, und dann kommt der Grenzfurthner und hat Zugriff darauf und spricht’s aus, und dem verbiete ich deswegen den Selbstekel, den er sich ja auch selbst gar nicht abnimmt, natürlich. Und dann die Doppelseite 58-59! Mono-chrom! Mono-chrom!

// Euphorisiert schlage ich um zu Daniels „Drei Arten Dreck“-Text, der schön hin- und herflimmert zwischen flauschigen Ästhetizismen und opakesk-akademischem Ton, zu letzterem allerdings nur, um ihm gleich einen Kalauer reinzuwürgen. Friß, Studententon, den Windheuserkalauer!

Link | 4. Juli 2009, 20 Uhr 30 | Kommentare (7)


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