Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Vor den Rennen spielt die Galopprennbahn Hoppegarten die Titelmelodie von „Rivalen der Rennbahn“.
So ist das: Wir leben von undeutlichen, aber bunten Sehnsüchten aus den Serien der späten 80er, als noch nicht alles gleich schmeckte. Die Zeit (nein: diese Zeit) adelt alten Kitsch.

Link | 24. Mai 2010, 13 Uhr 18 | Kommentare (4)


Die Geräusche: Vögel, Laub, und das Dröhnen der Stadt, das im Sommer viel näher ist. Ich warte. Der Wind rauscht in der Pappel, und ganz leicht bewegt er die tiefblauen Vorhänge. Manchmal streicht mir eine kühle Lufthand durchs Haar.

(Ich bin sehr ruhig. Ich mache nichts mehr. Ich glaube, ich weiß, wie wir leben sollten. Es ist an Euch. Ich kann Euch nicht zwingen, und es hat keinen Sinn, es zu erklären. Ich verlange nichts. Wenn ich in einem halbdunklen Zimmer, gegen ein Kissen gelehnt, den Sommergeräuschen zuhöre und den Vorhang zittern sehe, wenn ich zu den Büchern hinüberschaue, an eine Brasilia-Ausstellung denke und lächle, wenn ich hier sitze und warte: Das sollte genug sein. Ich wiederhole: Es ist an Euch.)

[Sommer VII]

Link | 24. Mai 2010, 13 Uhr 00


Ein Ahorn. Eine Blutbuche.
Ein Ahorn. Darauf der Regen.
Eine Blutbuche. Regen.
Das Becken ohne Fontäne.
Die Rinnsale auf steinweißen Gliedern.
Eine offene Doppeltür.
Tschilpen, emsig.
Luft, steigend, weich, ruhig.
Ein Türrahmen.

Link | 19. Mai 2010, 23 Uhr 21


Und so begab es sich in jenen Tagen, daß unser Held (in Gesellschaft) den edition-Suhrkamp-Laden in der Linienstraße aufsuchte, wo der Schriftsteller Rainald GOETZ vorlesen und sprechen sollte. Im edition-Suhrkamp-Laden hatten sich versammelt: Eine große Zahl von INTELLEKTUELLEN und dazu eine große Zahl von ARSCHLÖCHERN, die alle dem Schriftsteller Rainald Goetz zuhörten, der viel Wahres und Grimmiges und Richtiges und Schönes sagte und vorlas, von sich und anderen, wie sich der Held das wünscht und denkt. Der Schriftsteller, die Goetzmaschine, die große Analysier- und Wahrnehmungs- und Intelligenzdampfapparatur, produzierte dabei immer wieder Sätze von so hervorragender Druckbarkeit und Wahrheit, daß der Nachmittag als gelungen und die Veranstaltung als eine Freude bezeichnet hätte werden müssen, hätten nicht die erwähnten ARSCHLÖCHER zunehmend ihr Bedürfnis ausgedrückt und ausgelebt, mit dem Schriftsteller zu TAUSCHEN und selbst viel anerkannt Kluges und Wahres und Schönes zu sagen, und zwischenzurufen und in zunehmend aggressiver Art von sich selbst zu sprechen und zu fordern, daß von ihnen gesprochen werden sollte. Und so passierte es, daß der Schriftsteller Rainald Goetz gerade von der Verletzlichkeit und Irritierbarkeit des Schriftstellers, also des Prozessierers von Wirklichkeit und Gegenwart, der er ist, gesprochen hatte, und sofort danach VERLETZT und IRRITIERT wurde von den ARSCHLÖCHERN, die so schlecht ertrugen, daß die Veranstaltung im edition-Suhrkamp-Laden von dem Schriftsteller Rainald Goetz bestritten wurde und nicht von ihnen. Und hier sah man also die Reaktion des DUNSTKREISES SUHRKAMP mit der Tatsache Berlin Mitte sich vollziehen. Die Explosivität des Gemisches wurde deutlich, als das aus dem siechen Suhrkampkörper ausströmende Gas mit den hellen Flammen der psychotischen EITELKEIT des Berlinmittetums in Kontakt kam. Das längst mit ärgerlichen MITTEFIGUREN durchsetzte Programm des Verlages genügte den Mittefiguren nicht, und sie ertrugen schlecht, daß die seit ihrer frühesten Tage sie begehrlich stimmende einstige Suhrkamp-Aura nur den Schriftsteller Rainald Goetz restbeglänzte, und daß der sich für Proust und die Wahrheit und den Papst, nicht aber für sie interessieren wollte.

Der edition-Suhrkamp-Laden, der ja als Veranstaltungsort als Versuch einer Aktualisierung und RETTUNG von Suhrkamp als Verlag gedacht ist, funktioniert also, das muß man sagen, in genau dieser Weise: Als Hineinragen der literarischen Welt, in der zum Beispiel von der WELT und der MACHT und dem CHARAKTER gesprochen wird, in die unliterarische Welt Berlin Mitte, in der nur vom ICH gesprochen wird, in seiner einzigen Dimension: Der Beachtetheit oder Unbeachtetheit, also Gekränktheit.

Link | 15. Mai 2010, 20 Uhr 00 | Kommentare (9)


Dieser alles überrollende Donner (Salut).

Link | 15. Mai 2010, 15 Uhr 23 | Kommentare (1)


Und so begab es sich in jenen Tagen, daß in dem verspäteten easyjet-Flug von Brüssel nach Schönefeld eine ganz und gar unwahrscheinliche Gemeinschaft von unglaublich GUTAUSSEHENDEN und GUTGELAUNTEN und GUT ANGEZOGENEN Menschen sich versammelte, so daß unser Held ganz erstaunt und übermüdet und mit dem Planeten versöhnt der Schönefelder Wellblechanhäufung entstieg.

Link | 13. Mai 2010, 1 Uhr 01 | Kommentare (2)


Lulus Hartnäckigkeit hat mich eins gelehrt: Wer nicht verzichtet, kann auf die Erfüllung seiner Wünsche hoffen. (Chow, in Wong Kar Wais 2046)

Verzichten, das ist die Allianz dreier Fehler: Mutlosigkeit („es ist besser so“), Hochmut („ich weiß, daß es besser so ist“), und der Fähigkeit zum Leugnen der Wünsche („in Wirklichkeit wünsche ich es mir nicht anders“). Natürlich könnte das Verzichten auch eine Defensivmaßnahme gegen eine grausame Wirklichkeit sein, aber Chow hat vermutlich Recht: Die Wirklichkeit ist gar nicht so fest, wie wir denken, und selbst wenn sie es ist, was bleibt uns?

Link | 8. Mai 2010, 12 Uhr 18 | Kommentare (20)


Oh! Ouuuh! Die wundervolle Laura Marling und die vielleicht noch wundervolleren Mumford & Sons spielen zusammen Jolene!

Link | 3. Mai 2010, 22 Uhr 38 | Kommentare (5)


Und ich werde Preußen vermissen, das Land der Alleen und Dächer im Nebel, das für immer von seinem flötespielenden König träumt; ein Land, das man riechen kann im Oktober in Potsdam, wenn es überraschend schnell dunkel wird und kalt, und alles Schokolade und Tee und Wollschals und Rauch ist.

Link | 3. Mai 2010, 22 Uhr 29 | Kommentare (1)


Ein Abend am Fluß
sagen wir: Im Gras, in Erwartung des Gewitters hinter den Türmen
oder sagen wir: Auf dem Damm, über dem eine erdfarbene Sonne Decken um die Schultern der fernen Bäume legte

Nehmen wir an, es gäbe einen Tisch
einen Kessel, und Salz
und auf dem Fluß triebe Holz

Link | 2. Mai 2010, 14 Uhr 55 | Kommentare (2)


Nächste Seite »