Vigilien.

wenn du aber lau bist, und weder kalt noch warm –

Miranda July: No one belongs here more than you. Nach Feuchtgebiete noch ein Buch über Einsamkeit von einer etwa Gleichaltrigen. Sehr amerikanisch und fremd, aber vertraut einsam. Nun glaube ich nicht an die nostalgiesoziologische Großthese von der Vereinzelung der Menschen und ihrem Leiden daran. So einfach ist es nicht.

Ich glaube vielmehr: Wir, also unsere Schriftsteller und ihre Leser, lernen gerade etwas, es gibt ein Muster. Ich würde es so andeuten: Leben geht normalerweise schief. Das ist so normal, daß es nicht schlimm ist. Schlimm ist, jemandem weh zu tun, der es nicht verdient hat oder schwächer ist, das ist alles, was man vermeiden muß. Leben aber geht normalerweise schief, es hilft nichts, sich etwas vorzumachen. Ein paar weise, feine, freie Menschen, die zudem großes Glück haben, kriegen es trotzdem hin. Seid weise und frei und hofft — mehr könnt ihr nicht tun. Blut, Schweiß und Tränen. Geil.

3. March 2008 2:06 | Comments (10)



10 Comments »


danke.
wird gelesen.
(nach meinem argumentativen eintreten/entgegentreten auf james cabmna´s cove für fr. roche halte ich mich da jetzt raus)
es grüßt lac

Comment by lac | 3. March 2008 10:57




sorry! es fehlt da etwas:
ein “n” im cabman.

Comment by lac | 3. March 2008 10:58




dann ist gewollte einsamkeit kunst?

Comment by sunny | 21. March 2008 15:23




Nein, nur tapfer. Aber wie meinen Sie? — Miranda-July-Figuren wollten einsam sein?

Comment by spalanzani | 21. March 2008 15:39




Ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster hängen, denn bisher kannte ich nur flüchtig ihren Namen (Film, Kunst). Meine Frage bezog sich auf deine (ihre, hihi)steile These, dass du nicht an die “nostalgiesoziologische Großthese von der Vereinzelung der Menschen und ihrem Leiden daran” glaubst, aus dem Grund, dass wir ja nun das Muster seiner Entstehung kennen. Man kann gelassen durch die Welt gehen und sich auch organisch in das Großstadtleben einfügen, respektive einfügen lassen. Aber wenn nicht? Was dann. Ich behaupte einfach mal, dass ein winziger Anteil dieser Einsamkeit selbst gewollt ist. Selbst gewollt insofern, dass man die Reflexion sucht, vielleicht unbewusst. Undas erledigen viele Großstädter mehrmals im Jahr. ohne das es pahtologisch sein muss. Aber die Geschichten, die einem in dieser Zeit widerfahren sind meist ungewöhlicher, als die des Alltags.

Im Endeffekt, Einsamkeit als positiver Zustand. Ein Ende sollte er finden – möglicherweise mit einer neuen Perspektive.

Und was das Buch betrifft, es klingt (Zeit rezension gerade am wickel) nach einer spannenden Lektüre, möglicherweise inspirierend.

Comment by sunny | 21. March 2008 17:11




oder doch lieber “Sie”? Wie ist es Ihnen/Dir angnehmer?

Comment by sunny | 21. March 2008 17:57




Um es andersherum zu sagen: Ich glaube nicht an die These vom Leiden an der Vereinzelung, weil diese “Vereinzelung” ja gleichzeitig eine Befreiung ist. Diese Moderne, in der die Familie und die Nachbarn eben nichts dazu zu sagen haben, wer du bist, ist eine Errungenschaft. In diesem Sinne ist Einsamkeit ein hochgradig positiver Zustand, und ja schon immer gewesen, als Möglichkeit zur Konzentration. Ich glaube, mit einigem Vertrauen in die Gegenwart: Nähe ist eine Option in unseren Leben. No one belongs here more than you handelt von Leuten, die die Option nehmen. Ohne Vorwurf, einfach weil sie das brauchen und dürfen und nichts dagegen zu sagen ist.

Das scheint mir deswegen interessant, weil es offenbar ein feines Gleichgewicht gibt, zwischen unbedingt nötiger Nähe und unbedingt nötiger Distanz. Und weil deswegen die Fähigkeit, mit diesem Gleichgewicht umzugehen, einer der echten Schlüssel für ein gutes Leben sein dürfte.

PS: Ich sieze aus Gewohnheit, Respekt oder Vorsicht, und nur in sehr wenigen Fällen schlage ich ein Du aus. Also: Du!

Comment by spalanzani | 21. March 2008 18:15




“Nähe ist eine Option in unseren Leben.”

Finde ich gut!

Comment by sunny | 21. March 2008 19:10




Hoffentlich stimmt es. Das wär’ eine schöne Pleite sonst.

Comment by spalanzani | 21. March 2008 19:47




“unbedingt nötiger Nähe und unbedingt nötiger Distanz.”

vermutlich eine subjektive pleite. ;)

Comment by sunny | 21. March 2008 20:05



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Es wird übrigens grimmig gelöscht.

Just a poor wayfaring stranger traveling through a world of woe.