Vigilien.

wenn du aber lau bist, und weder kalt noch warm –

An die Elmsfeuer um die erhobenen Gabeln der Gäste konnte er sich gewöhnen. Schwieriger waren, eine Zeit lang, als sie Mode waren, die Leuchtstoffröhren: Keinen Raum im Dunkeln betreten zu können, immer begleitet zu sein von diesem Neonlichtgeschummer, das war hart.

8. Februar 2010 1:34 | Kommentare (0)



Sinnerman in einer Version von Nina & Frederik.

Nina ist in diesem Fall: Baroness Nina van Pallandt, Geliebte von Clifford Irving. Clifford Irving hat die Biographie des vermutlich erstklassigen Fälschers El Mir geschrieben. Der Komplex Elmyr de Hory/Clifford Irving/Orson Welles ist zu zwielichtig für eine schnelle Beleuchtung. Jahre später jedenfalls (Mitte der 70er, etwa die Zeit, in der F For Fake gedreht wurde) gab Clifford Irving zu, selbst Interviews mit Howard Hughes gefälscht zu haben und ging dafür ins Gefängnis.

Was mich interessieren würde: Ob Gaddis Elmyr de Hory kannte, als er Wyatt Gwyon erfand. Die Recognitions sind 1955 erschienen — da war El Mir schon zehn Jahre aktiv, seit 47 war er in Amerika. Es könnte hinkommen.

Die Wikipedia behauptet übrigens, Peter Sarstedt habe Nina van Pallandt im Kopf gehabt, als er Where do you go to my lovely schrieb.

7. Februar 2010 1:01 | Kommentare (0)



Die sicherlich unterschätzteste unter den Ursachen ist die Verzagtheit.

3. Februar 2010 9:07 | Kommentare (5)



Über den Ästen, grau noch vom Winter, ziehen die losgelassenen Gletscher, und ein Pfeifen rüttelt am Tuch, und kein Ort ist höher, weiter und breit, nur die Stämme und grauen Äste.

Um uns knistert zerfallenes Laub, trocken, im Ansturm der Ameisen — dies Rascheln, wenn wir uns rühren, und das Pfeifen zwischen den Stämmen, hellgrün- und lichtgesprenkelten Enden, und stoßweise wie aus Kübeln fallendes Wasser: Buchfinkenstimmen.

Drüben leewärts leewärts, wo der nackte Hang abfällt, Rinnsale und Dolden, liegt das nachtfarbene Dach, geduckt hinterm Fels, den zu umkehren wir meiden, und meiden können: Eine Flasche Rotwein, steinerner Wein wie Moos und Papier, und kalt in den Händen.

Bäume vor uns im Rücken, und lehnen sich nach rechts, nach rechts, wieder nach rechts, greifen, was sie nicht halten können und was aufbraust und in die Knospen beißt.

1. Februar 2010 1:33 | Kommentare (1)



Ein Zimmer in einem Haus, das für einen anderen Zweck gebaut worden sein muß als Zimmer zu enthalten: Es ist zu hoch und zugig, das Licht, das aus einer einzelnen gelben Lampe an der Decke fällt, erreicht die Ecken nicht; über der Lampe glänzen fettigschwarze Spinnweben in den Scheiben der Fenster über den… anderen Fenstern. Es gibt ein hölzernes Bett und ein emailliertes Waschbecken und zwei Tische: einen Schreibtisch, auf dem Papiere und Staub sich den Platz teilen, und einen Esstisch, auf dem ein kurzes Stück steinharter Wurst liegt.

Was soll man schon anfangen, wenn man mit so einem Zimmer und einer alten Wurst dasitzt, an einem Freitagabend?

Man könnte einen struppigen alten Iren hineinsetzen: Alles, was man dazu braucht, ist eine fast leere Flasche Whiskey und ein unsauberes Glas. Auf dem Papier steht beispielsweise:

N ist der Teil der Tatsache, der mit den Klumpen verbunden ist. Die Klumpen produzieren das Rauschen: Sie betreiben Photosynthese (ein, zweimal vermittelt, aber Chemie ist Chemie) und Kernspaltung. Die Energie, die sie so erzeugen, verwenden sie zu kleinen Bewegungen auf kleinen Brettern. Die Muster, die sie mit diesen Tasten erzeugen, überlagern sich zum Rauschen, das zwischen der totalen Langeweile einer ganzen Zahl und dem Horror von Omega liegt: Diese Mittelwelt von gerade so überraschenden Bits, in denen N existiert. N kann sich nicht unterscheiden von der Physik und kann nicht sagen, welches System wessen Substrat ist. (Es spielt keine Rolle: Das Rauschen ist entscheidend, alles Rauschen ist übersetzbar.) Die Unerbittlichkeit der Wirklichkeit (es ist so und so, sie liebt mich nicht) wird aus N bezogen, die Tatsache (die Totalität alles Zufälligen) kennt N als ihren zuver (abgebr.)

[fuck objects. Sagen Sie hinterher nicht, Sie hätten's nicht gewusst.]

[N ist übrigens eng verwandt mit IRRTUM]

30. Januar 2010 3:33 | Kommentare (22)



Wie ich gestern bei Luigi Zuckermann, dem versnobtesten Mitteladen diesseits des Atlantik mit leider erstklassig senfigem Roastbeefsandwich, die von vice abgedruckte Ranschmeißerprosa von fünfundzwanzigjährigen Wannabe-vice-Autoren las: Eine vollständige Überlagerung von richtig und verkehrt; ah, kleine Gegenwart, was sollen wir bloß mit dir noch machen.

[zu wenig über den Mond]

27. Januar 2010 10:50 | Kommentare (0)



Bewegtes Portrait in s/w: Das Portrait zeigt ein Paar hinter einer Balustrade, wohl auf einem Balkon, und ist nicht ganz in Augenhöhe, sondern leicht von unten aufgenommen. Links wird es begrenzt von einer angeschnittenen, dicken und plumpen Säule, rechts ist das helle Rechteck einer Tür zu sehen, die sicherlich in eine Wohnung führt.
Die Portraitierten stehen Seite an Seite, sie links. Sie sind etwa gleich groß und um die dreissig, Erwachsene mit deutlichen Gesichtern, die den letzten Rest Jugendlichkeit abgelegt haben, man kann ihn gerade noch ahnen. Beide tragen bequeme unifarbene Kapuzenpullover. Der des Mannes ist dunkler, vielleicht blau. Den Eindruck von Gelöstheit verstärkt sein Dreitagebart und die Andeutung eines spöttischen Lächelns. Beide haben von vorn fast dieselbe Frisur: eine zur Seite weggekämmte Tolle über den Augen (ein etwas überforderter Seitenscheitel). Die Tönung allerdings ist unterschiedlich, man darf annehmen, daß die Haare der Frau heller sind. Da sie den Kopf dreht, wandern ihre präzisen Züge ins Profil, auffällig sind die Wangenknochen und die entschiedenen Lippen. Nachdem sie sich dem Mann halb zugewandt hat, lächelt sie, nimmt die Bewegung ihres Kopfes mit dem Körper auf und geht vor ihm vorbei auf die Tür zu. Kurz bevor sie ihn halb umkreist hat, bewegt er sich ebenfalls und dreht sich um die eigene Achse. Als sie nebeneinander stehen, schauen beide wieder in dieselbe Richtung, zur Tür. Der Mann nimmt ihren Arm mit der Rechten, nicht am Ellbogen, sondern höher, fast an der Schulter, aber die Geste bleibt leicht, kaum mehr als eine Berührung.

27. Januar 2010 9:55 | Kommentare (0)



Anita war eine schöne Frau. Ich konnte nicht umhin, ihr das zu bestätigen, als sie, Strümpfe und Schuhe tragend, vor dem Spiegel stand und in ihren eigenen Anblick versank, ein aufschwingendes Ensemble von Vollkommenheiten: In den Genuß dieser Vorführung brachte sie mich, einen Freund, dessen Noblesse sie überschätzte, an einem langeweileblassen Sonntagmittag in ihrer Stadtwohnung. Der mächtige Spiegel zeigte außer ihrer spektakulären Gestalt einen Art-Déco-Fries, viel dunklen Teppich, eine nichtendenwollende Anrichte, mehrere Tischchen und Sessel, und mein wippendes rechtes Bein in einem Raum, hoch genug, uns zu Figuren zu machen. Anita rief mich damals häufiger an, fragte nach dem Wetter am anderen Ende der Stadt und wartete darauf, daß ich mich einlud. Manchmal tat ich ihr den Gefallen, wider meine Vorsicht, manchmal lief das Telefonat in ein Schweigen hin aus, weil sie nicht fragen wollte, und ich lieber auflegen. Ich wusste nicht, was sie von mir erwartete: Meist, wenn ich dort war, tranken wir ein paar Gläser und sprachen über unsere jeweilige Lektüre — sie konnte plötzlich aufflackern, für zwei, drei Sätze, als probiere sie etwas aus: Sie saß dann gerade, lehnte sich vor, funkelte mich an und zitterte mit der Unterlippe, aber dann sank sie zurück, weil sie in meinem Gesicht nicht gefunden hatte, was sie suchte, nehme ich an. Sie hatte ein paar Freunde meines Schlages, Leute, die sie anrief für einen solchen Nachmittag. Ich kannte die meisten von ihnen. Wie viele von uns das Spiegelbild ihrer nackten Beine mit sich führten, in Bussen, geschäftlichen Besprechungen, Hörsälen und Sommernächten mit aufseufzenden Fackeln, kann ich nicht sagen; selbstverständlich habe ich nie danach gefragt, eine solche Frage hätte ich als körperliche Zudringlichkeit empfunden, die ich ihr nicht zumuten wollte.

Sie wird einen grauenvollen, abstoßenden Langweiler heiraten, vermutete Joakim, ein junger Dirigent mit schwarzen Locken, der bei ihr verkehrte. Sie wird, im Gegenteil, sagte ich, gar niemanden heiraten. Sie wird eine Frau mit einem Goldfischglas werden. Wo sollte sie diesen dumpfen Langweiler treffen, der indezent genug wäre, es zu versuchen, mit der Kühnheit der Ignoranz?

(Allerdings ist der Zufall meist erbarmungslos und wählt von zwei schlechten Alternativen die schlechtere.)

24. Januar 2010 3:48 | Kommentare (13)



Realitätsfetzen: Wie Danny in The Shining das rechte Hinterrad seines Dreirads anfasst beim Anfahren. Das habe ich auch gemacht, beim Kettcar, diese Berührung des staubigen, kieselgesprenkelten Kunststoffs war alles, was an Realität nötig war, der Moment dauerte ewig, die Welt war uninteressant jenseits der Rauheit unter meiner Handfläche — wie viele Leben wir leben, und wie grotesk lange wir leben, wieder einmal.

23. Januar 2010 23:32 | Kommentare (0)



ich sprang zurück, zwei Schritte, als ich den Titel des Buches las, und den Untertitel. Seit Jahren lag es da in einem Umschlag — ich muß den Titel gesehen haben, als ich den Band in diesen Umschlag steckte, vor Jahren. Ich bin mir unheimlich, meine Fähigkeit, Gegenstände auszublenden, ist nicht geheuer –

16. Januar 2010 22:48 | Kommentare (3)



Ein Irish Pub. Gedrechselte Säulen, dunkelgrüne Guinessschilder, ein Kleeblatt in jedem der großen Fenster. Die weitgehend unbesetzten Tische stehen auf erhöhten Fußböden, zwischen denen der Gang verläuft. Zum Gang Geländer und Holzgitter. Speisekarte: Suppe, Salate, ein Gericht mit Rösti, noch ein Gericht mit Rösti. Draußen ein menschenleerer Marktplatz, auf dem ein Honda Civic, ein stumpfroter 4er Golf und das Heck eines alten Audi parken. Der Platz ist neu gepflastert, was ihn sehr hell wirken lässt. A little bit of Monica in my life. Es ist halb zwölf vormittags, bedeckt und kühl, die Luft schmeckt nach Kaugummi.

(Schnitt)

15. Januar 2010 22:29 | Kommentare (0)



Die Raben saßen in rabenhohen Zinkbehältern links und rechts am Dach, aufrecht und reglos wie dicht bei dicht eingeschlagene Pflöcke im Wasser. Trat man in eine der Gaupen hinaus, sah man die Rabenpflöcke ruhen, und schlief man in der Dachkammer, fühlte man die schweigsame Rabenpräsenz links und rechts hinter der Schräge. Einmal, nach der Entführung, klopften wir die Vögel wach: Unser bronzefarbener Mercedes ohne Türen und Scheiben raste, in den Kurven seitlich durch den Schotter schlitternd, in einem schwarzen Schwarm wider das ferne Schloß.

15. Januar 2010 9:51 | Kommentare (1)



Man warf 2 Stunden Möbel aus dem Fenster

14. Januar 2010 23:59 | Kommentare (0)



Liste: Heuler, Brummer, Brodler, Quaker, Knisterer, Erster enharmonischer Bogen. (Nachbauten zur Zeit im Gropiusbau.)

13. Januar 2010 0:16 | Kommentare (0)



Brummstrull

12. Januar 2010 22:58 | Kommentare (0)



I – Your shipment of fail

Man erkennt die Umrisse der Flugzeuge nicht
deren Schatten über die Hügel huschen
wo man, Fenchel köpfend, vorwärtsstürmt:
nur ein Flackern von Dunkelheit.

Ein alter Mann erzählt einem alten Mann
eine sentimentale Geschichte:
Die Feder der letzten Spieluhr bricht
Und die Leute so: #fail #epic #fail

Wie beiläufig reißen die Vögel Batzen
roten Fleisches aus unseren Leibern:
So bemerken wir den Zerfall
in den Gesichtern unsrer Idole.

Er arbeitet im subkutanen Dröhnen des Nachmittags,
der vom schwarzen Pilzgeflecht über der Kante träumt,
hinter den schweigsam schwankenden Backsteinschloten.

Und meine Unruhe ist der Tatendurst des Nachtwächters,
und ein Sandsturm, der den Quai von Siracusa bezischt.

II – Märkisches Treiben

Oh, Tage in Berlin, mit einem blauen Auge und dünnen Schals
Tage in Berlin, mit der Oktobersonne in den Kranweben
Büchersonntage mit den Auslagen der Antiquare
Tage in Berlin in fiebrigen Bibliotheken
Tage der Dunkelheit und Neon über nüchternen Portalen
Tage nassen Backsteins, Rattengeruch und kühler Zugriff von Zement
Tage verlassener Kirchen mit Metal-Kellern
Tage der Sprühnebel und Kla-klacks nach Vinetastraße
Kartoffeltage, Colatage, Leertage, Tage des imperialen Marschs
in Unterhosen
Tage nervös rauchender Polen auf würzigen Sofas
Tage in Berlin mit Oboenton über dem Gezischel nasser Fahrbahn
Kalte Tage in Erwartung,
Brüllender Verkehr und Luft kälter als die Sonne auf der Haut
Tage der Kastanien.

Und ach, Auswärtsnächte in den Bunkern der Wissenschaft
Nächte der Mäuseschneider und Kebapfürsten
Nächte fremder Zahnpasta und haariger Linole-en
Bars in Städten, in denen nichts ist und nichts wird,
nur die Aussenbezirke stolze Namen tragen,
stolze Namen von Einst-Orten, Heu und ein Schmied oder ein Brunnen
Die trostlosen Friseure, ihre Markisen und Schaufenster mit blauen Perücken
Nächte der Bushaltestellen und klammen Koffer
Trockeneisnächte sehnsuchtskranker Punks,
Schniefnächte im Senfgeruch,
Nächte in Küchen nur so
und ach
die Brahms- und Zimt- und Ingwernacht der unerreichbaren Mühle.

III – Tropfen / Blech

Denkbar ist darum ein Abend,
wenn man nach Norden blickt, die kalte Linie des Horizonts,
wenn man nach Osten blickt, kalte Linie des Horizonts, Zacken, Wipfel,
wenn man nach Süden blickt (gebückt wegen des Bogens) die kalte Linie,
wenn man nach Westen blickt, der Horizont, und Kupfer.
In die Kühle des Abends kommt zwischen die Steine Wind,
der mein stumpfes Hemd an der Haut wärmt
und nach Nacht riecht,
Gras und Nacht, Zeit zu warten.

12. Januar 2010 22:46 | Kommentare (9)



désinvolture

12. Januar 2010 22:18 | Kommentare (2)



Wenn Sie könnten: Würden Sie nicht einen Garten anlegen lassen, weit, dunkel und hell, Rosen und Zedern und Wasserläufe, Brücken und Moos und hohle Gassen, Hügel, freistehende Ulmen und wirr ächzende Gehölze, und würden Sie sich nicht schwarze Tempel wünschen, in denen man allein sein könnte mit dem Tosen des Wasserfalls? Und würde nicht die Sonne in Ihren nachtkühlen Gärten aufgehen mit einem Fanfarenstoß? Da sehen Sie. Es ist alles gar nicht so rätselhaft.

9. Januar 2010 20:19 | Kommentare (3)



Daß aber das Schönste und das Traurigste, ja daß diese zwei ineinander verbissen waren wie kämpfende Krokodile, verriet der Künstlerin furchtbar Eindeutiges über die Lage des Menschengeschlechts und ließ sie nur noch entschlossener dem tatsächlichen Zustand einen künstlichen entgegenstemmen, mit dem ganzen bisschen Menschenkraft, das sie hatte (Dath ganz bei sich und der Liebe zu seiner Figur Cordula Späth, Abschaffung der Arten)

[Später mehr, ich muß lesen, lesen und Klaviermusik hören in stillen Räumen in der gedämpften Stadt und jede Minute nutzen. Dath, Modell für Laura, Soap & Skin (darin das Echo meiner eisigen Max-Richter-Nächte, und im Marche funèbre eins von Tony Wakefords Autumn Calls), vielleicht blättere ich auch im dritten Band der Probleme, den mir eine unvorsichtige Antiquarin viel zu billig verkauft hat, wohl weil ein toter Vorbesitzer ihn mit den beiden ersten Bänden hat zusammenbinden lassen. Ich finde darin: Eine Quittung von 1952, 7 Mark, Stadthauptkasse München, Gewerbesteuer, und einen Beipackzettel Dextraubinol: ein ungoogelbar vergessenes Produkt der Firma Fritz Götte & Cie, Köln, die bis 2001 existiert zu haben scheint; letzte Boten aus der Zeit vor der digitalen Totalen, als man vergessen werden konnte, für immer verdorben jetzt durch meine Fußstapfen.]

9. Januar 2010 19:17 | Kommentare (0)



Daß zum Beispiel das Wirtschaftsleben in Berlin im Winter fast vollständig zum Erliegen kommt, hat seinen Grund in der Bauart der Berliner Häuser. In Berlin sind nämlich niemals die Flure beheizt. Wenn ein Münchner oder Kölner im Winter unternehmungslustig ist, so spaziert er in den Flur, streift Schuhe und Schals und Verpackungen über; alles ist warm und weich, nur der Wille ist stählern, und so tritt der Münchner oder Kölner dann gerüstet hinaus in die Eiseskälte, berstend vor Kraft und zum Trotze bereit. Der Berliner dagegen beginnt bereits beim Verlassen seiner Stube zu bibbern, und bis er die ungeheizte, in seinem Falle zunächst nur so-genannte warme Kleidung übergezogen hat, ist er zittrig, kleinlaut und zwanghaft, und nicht selten kehrt er schon an der Türschwelle wieder um, returniert in sein Federbett und wünscht überhaupt die Welt zum Teufel. (Stanislaus Zbginiczek, Unter Deutschen II: Winter)

3. Januar 2010 17:16 | Kommentare (0)



Nun denn, ich bin ein netter Kerl, und da mir aufgefallen ist, dass Leute auf der ganzen Welt mit mir per Vorname sind, wenn sie mitleidig «Dmitris Dilemma» beklagen, dache ich, es wäre nett, ihr Leid zu lindern. (Dmitri Nabokov, Herausgebervorwort zu Das Modell für Laura)

30. Dezember 2009 19:34 | Kommentare (1)



der etwas bedrohliche fremde Freundeskreis, das Haus am Hang mit den grauen Teppichböden: steht zwischen dicken Hecken, durchquert von einer kieselbelegten Betonplatten-Treppe. Die Mädchen, allesamt schlau und überlegen, aber zu ein bisschen Kräftemessen aufgelegt. Die Neigung zum Fernsehnschaun und Salzstangenessen. Autofahrten in überfüllten Automobilen, von da nach woanders, bloß durch die Stadt. Die Vertrautheit der anderen, die eigene Fremdheit / Geduldetheit / Gehaltenheit. Duschen im fremden Haus. Das: Erzähl! — oh: wenn man sich atmen könnte.

16. Dezember 2009 21:54 | Kommentare (1)



Ein unsympathischer, angeberisch auftrumpfender Eintrag, nicht wahr? — was ich nie weiß: ob man es lieber lässt, oder ob es den Versuch wert ist, diese Dinge zu fassen zu kriegen in Bildern.

13. Dezember 2009 21:05 | Comments Off



To reclaim a real political agency means first of all accepting our insertion at the level of desire in the remorseless meat-grinder of Capital. What is being disavowed in the abjection of evil and ignorance onto phantasmatic Others is our own complicity in planetary networks of oppression. What needs to be kept in mind is both that capitalism is a hyper-abstract impersonal structure and that it would be nothing without our co-operation. The most Gothic description of Capital is also the most accurate. Capital is an abstract parasite, an insatiable vampire and zombiemaker; but the living flesh it converts into dead labor is ours, the zombies it makes are us. [Mark Fisher, Capitalist Realism [#]]

“Gothic” bei Fisher ist die Worringer-Linie: Von einem nichtmenschlichen Willen geformt, antiorganisch-abstrakt, empathielos, ornamental: aus innerer Logik sich unbegrenzt fortschreibend.

Lieber als “Kapitalismus” sage ich ja (abstrakte Fieberträume erinnernd) Grid: die gotische Struktur schlechthin, das totale Raster, die mitleidlose Abstraktion unserer Zwänge.

Mäander: Der Orgasmusschalter. Sonden im Gehirn der Laborratte lösen zuverlässig und wiederholbar den begehrten Neuronensturm aus. Die Sonden werden zu einem Schalter verbunden, den die Ratte selbst bedienen kann. Das Experiment wurde durchgeführt, die Ratte verhungert, was nicht weiter überrascht. Daraus lässt sich nichts über den Wert oder Unwert der Lust lernen (weg mit Ihrem unsinnigen puritanischen Reflex) — aber über die Macht des Schalters, also: die Kontrolle über die Kanäle einfacher Gratifikation.

Das Grid über unseren Köpfen ist die Gesamtheit der Kanäle und Feedbackschleifen der Gratifikation, die Superstruktur unserer Schwächen und Bedürfnisse: Gemacht aus allem, was wir brauchen, unter Bedingungen der Optimierung des Mitteleinsatzes bei der Befriedigung von Bedürfnissen.

Die Superstruktur beutet unsere Schwächen aus (wie Herzog seine Schauspieler ausbeutet, die Gelegenheit ihrer Schwäche nutzend): Zu jeder unserer Schulhof-Verhaltensweisen, Tratsch, Gruppenzwang, Wahrheit oder Pflicht, Eitelkeit, entsteht das entsprechende soziale Netzwerk und besteht den Test — weil die Bedürfnisse, die es bedient, echt sind, und sie nie so einfach zu befriedigen waren. Fernsehen ist Geschichte, weil wir über die Passivität, die es verlangte, hinweg sind, das bedeutet: Weil es ein jämmerlich unbeholfener Kanal zu unseren Begierden war.

Das Grid (das nicht das Internet ist und nicht der Kapitalismus, sondern die ausgebaute Infrastruktur unserer Libido) beutet die Neigung aus, persönliche Schuldige zu suchen und die (wohl verstandene) menschliche Unfähigkeit, kurzfristige Handlungen mit langfristigen Wirkungen zu korrelieren, um sich zu verbergen. Es waren böse Banker, die die Finanzkrise verursachten, ruchlose Gesellen, Bankster, Männer ohne Moral. Ist doch wahr, guck sie dir doch an.

Es herrscht hier ein dauerhafter Widerspruch im allgemeinen Konsens: Erstens, die Abstraktionen (die Gesellschaft, das System, der Weltgeist) existieren nicht, es gibt, das weiß jeder, nur Menschen und was sie tun, alles andere ist so akademischer Quatsch. Zweitens: Der Einzelne will das alles nicht, er will eine andere Welt. Wenn er gebildet ist, spricht er von der Klimakatastrophe, als sei er ein mißverstandener Prophet (jeder ist ein mißverstandener Prophet) — und kauft Bio.

Daß die Welt über moralischen Konsum steuerbar sei, ist das wichtigste stabilisierende Ideologiewerkzeug für das Grid: Die Personalisierung der Verantwortung für das Wirken der Superstruktur. Ein paralleler Schuld-Downstream zum kontinuierlichen Kontroll-Upstream. (Dabei ist Menschsein gar nicht heilbar.)

Das Grid ist im engeren Sinne emergent, also nicht von unten gewollt oder kontrolliert, sondern eine abstrakte Struktur mit dem Substrat Menschheit. Es benötigt eine kritische Masse an Intelligenz und Wohlstand im Substrat für seine Existenz, aber das macht es ist nicht bewertbar (es ist weder gut noch schlecht, wir müssen uns nicht schämen, daß wir das Grid sind: Wir können aber über seine Existenz und seine Logik nachdenken).

Gegen das Grid kämpft, auf verlorenem Posten, der Geist, das ist der geschlossene Regelkreis des Denkens, der Verknüpfung der Libido mit dem Denken selbst (wenn man altmodisch wäre, würde man sagen: Das Schöne. Oder das, was früher, als man sich solchen Luxus um jeden Preis leisten wollte, Liebe hieß: Das Richten der Begierde auf ein Subjekt, eine schwierige, zum Scheitern verurteilte Übung / alternativ formuliert aus einer männlichen Perspektive: Die Leidenschaft der Frauen für Geistesthemen, die sich in unsere Leidenschaft für sie übersetzt.)

Am Beginn vielleicht Woyzeck: Eben kein dumpfer Charakter, kein dumpferer als die anderen, ein ganz normaler Charakter, den ersten Griderscheinungen aber noch schutzlos ausgeliefert: Er ist der Welt egal, die ihn vollständig kontrolliert. Er ist nicht der Dümmste, er ist nur der Schwächste in der Welt dieser Stadt am Teich. Als der Schwächste der Männer kann er die Gewalt, die ihm angetan wird in der Ausnutzung seiner Bedürfnisse nur weitergeben nach unten — Mittel, diese Gewalt zu absorbieren und zu entmachten hat er noch nicht, oder nur vage, untrainiert, ahnungsvoll höchstens: Er müsste durchschauen können, was ihm von denen, die das selbst nicht durchschauen, angetan wird. Er kämpft darum, er philosophiert schon wieder, aber es gelingt ihm nicht.

Berlin heute, Dezember 2009, die Stadt, die unter ihrem Winterhimmel neue Studenten aufnimmt, die in Ruhe gelassen werden für ein paar Jahre, damit sie eine Ahnung davon bekommen, wie es sein kann, der Macht, die die eigenen Bedürfnisse einer sinistren abstrakten Struktur verleihen, souverän zu begegnen und sie wenigstens zu erkennen, wenn sei wirkt: Genug Training bekommen, um das Grid zu sehen und nicht nur “das System” zu sagen und “die Reichen” zu meinen. Die Stadt ruht unter ihrem Winterhimmel, Häuser mit vergessenen Geschichten von Unglück und Menschenquälerei. Diese Häuser, über deren Böden man anders ging, an deren Wänden andere Muster sich schlangen, als das Unglück zweifellos größer und das Grid noch weniger fest war.

[drunter machen wir's nicht -- düsteres Vokabular für lange bekannte Zusammenhänge. Aber die einzig wirksame Manipulation am Substrat ist die Manipulation dessen, was es begehrt, wovon es träumt, was es für einen Traum und was für einen Alptraum hält -- nun.]

[[Hehe: Verlink das, Bildblog.]]

13. Dezember 2009 19:32 | Kommentare (4)



Nach meiner kleinen, aber recht sichtbaren Selbststilisierung zum technikfeindlichen Konservativen neulich muß ich Ihnen allerdings jetzt die Frage stellen: Haben Sie in letzter Zeit etwas entfernt so Großartiges gesehen?

13. Dezember 2009 14:46 | Kommentare (1)



Man könnte sich statt dessen auch das hier ansehen und ein bisschen still sein.

12. Dezember 2009 12:10 | Kommentare (1)



Standardsituation der Technologiekritikkritik: Da hat Frau Passig ja einen so vollständigen wie gelehrsamen Gähn abgeliefert. Vollständig: Alle Argumente da. Gelehrsam: Reich an an und für sich lesenswerten Anekdoten. Gähn: Figur so überraschend wie die nächstgrößere natürliche Zahl nach 2.

Die Technologiekritikkritik tut nämlich immer zwei Dinge: Erstens, sie macht sich lustig über Leute, die denken, daß technische Neuerungen nicht bleiben, nur Spielzeug sind, oder kommerziell nicht funktionieren. Durchaus zu Recht, sogar wenn man den hindsight bias abzieht (es ist heute nicht mehr ganz so mutig, davon auszugehen, daß das Internet bleiben, das fliegende Automobil sich aber wohl nicht mehr durchsetzen wird.) Zweitens, wenn es um die Bewertung von Veränderungen geht, erzählt einem die Technologiekritikkritik von einer vergangenen Innovation und den drolligen Argumenten, die gegen sie vorgebracht wurden, und guckt einen dann streng an und sagt:

Und? Ist die Welt etwa untergegangen?

Und dann kommt üblicherweise (und es ist mir unverständlich, wie die sonst so gründliche Kathrin Passig das auslassen konnte) die Platon-Stelle mit der Klage über die Jugend, daß sie nämlich keinen Respekt vor dem Alter mehr habe. Und dann stemmt die Technologiekritikkritik gleichsam die Fäuste in die Hüften, legt den Kopf schief, guckt einen nochmal ganz doll an und sagt:

Und das war vor zweitausendfünfhundert Jahren, und die Welt ist die ganze Zeit seither nicht untergegangen! Na!?

Zu dieser Figur möchte ich meinerseits eine Geschichte beisteuern, die belegen soll, daß die Menschen, was ihre eigene Bildungsbiographie angeht, nicht ganz vorurteilsfrei sind.

Als ich zum ersten mal meinen Bundestagsabgeordneten traf, war ich knapp unter zwanzig und wohnte einer Podiumsdiskussion über Bildungspolitik bei. Der Abgeordnete, CDU, im schwärzesten Landkreis der Republik über Liste gewählt, rotgesichtig und dicklich, ein Hinterbänkler im Landwirtschaftsausschuß, schwieg. Sein chancenloser SPD-Herausforderer und, wenn ich mich nicht irre, eine junge Grüne, stritten sich untereinander, und durchaus nicht ohne Witz und Verstand. Irgendwann, man hatte nicht mehr damit gerechnet, drückte der CDU-Mann unvermittelt den Knopf an seinem Mikrofon, es knackte in den Lautsprechern, und alle Augen richteten sich auf ihn. Und er sprach:

Also i hau Schlossr glerned, des hoisst, i hau au id schudierd, ond Abitdur hau i au kois gmacht. Es hod mr jetzt au id gschaded, däd i saga.

Es liegt mir fern, mich über den, soweit ich weiß, ehrlichen Christdemokraten lustig zu machen, aber mich beschlich damals ein Verdacht, der mich seither nicht losgelassen hat: Man merkt’s nicht.

Man merkt’s nicht, was die Bildung mit einem macht oder nicht macht. Immer, wenn die Technologiekritikkritik wieder ihre Aber-die-Welt-ist-nicht-untergegangen-Figur macht und so tut, als hätte die Gegenseite behauptet, das würde sie tun, denk’ ich mir: Ähm. Manche von diesen drolligen Trotteln der Vergangenheit waren schon sehr kluge Leute, und man könnte ihre Argumente gegen manche Innovationen, die uns selbstverständlich geworden sind, durchaus prüfen. Bei uns ist noch nicht heraus, ob wir Deppen sind, fest steht, wir würden’s nicht merken, wenn es so wäre. Und es könnte, zum Beispiel, wirklich sein, daß Powerpoint auf eine ganz bestimmt Art doof macht; auf den Gedanken kann man schon kommen. Wenn aber alle in der Oberstufe einmal durch die PPT-Mühle durch sind, bleibe bloß ich übrig, der’s noch merkt, und die Passig, immer auf Seiten des Fortschritts, macht sich über mich alten Trottel lustig. Das würde mir gefallen, ich gebe es zu.

Dieter E. Zimmers “Elektrifizierung der Sprache” kenne ich nicht, aber ich schätze Herrn Zimmer sehr. (Wenn der Goetz noch einmal auf ihn schimpft, fall ich noch von der Kränkster-Verehrung ab.) Ich mache das Argument, das er vermutlich für die Schriftstellerei macht, seit Jahren gern für die Radiotechnik. Nein, die Welt geht nicht unter, wenn man die alten Bandmaschinen durch Windowsrechner mit Schnittsoftware ersetzt, das habe ich nie behauptet, aber das Radio wird scheiße. Nun ist die Technik sicher nicht der einzige Grund dafür, aber man kann die Vermutung begründen, daß die Tatsache, daß Radio früher auch ein Handwerk war, für das man die Hände üben musste, dazu geführt hat, daß es nicht jeder Honk machen konnte. Heute kann es jeder Honk machen, was dazu führt, daß es jeder Honk macht. Es ist nämlich Kapitalismus. Die Welt muß gar nicht untergehen, um eine Qualität zu verlieren, die mal wichtig war. Und ja, es ist erlaubt, sie zu vermissen. Und nein, daß die Nachgeborenen sie nicht mehr kennen und eben nicht vermissen, bedeutet nicht, daß sie immer irrelevant war und heute nichts beizutragen hätte. Eine Welt mit gutem Radio wäre besser als eine mit schlechtem. Ich habe es schon öfter gesagt und ich sage es wieder: Radio ist kaputt, Journalismus ist fast kaputt, Film ist total kaputt. Literatur ist auch schon ganz gelb. Und nichts, was irgendjemand mal über Pferde gesagt hat, wird mir einreden, alles sei in Ordnung.

Das Netz bringt zwar kaum Kultur hervor, die geeignet wäre, mich zu fesseln, ist aber hervorragend geeignet, mir Zugang zu den ausgezeichneten Kulturprodukten der vorangegangenen Generation zu verschaffen. Dazu kriege ich, als zeitgenössische Hervorbringung, jeweils einen Wikipediaartikel von einem Rudel siebzehnjähriger Trolle jedweden Alters, die sich erkennbar mitten im Absatz gegenseitig ins Wort fallen, weil immer jemand zur Stelle ist, der ein noch größeres Maß an kleinkariertem Wichtigtuertum in einen noch alberneren Satz packen kann. Vielleicht kommt ja Passigs Erwachsenenbildung wirklich und erlöst mich von der Erinnerung an Zeiten, in denen man noch Enzyklopädien pflegen konnte, die nicht von Gartenzwergen gemacht wurden.

[Ich behaupte: Pauschale Technologiekritikkritik ist nichts als Angst vor dem Tod. Als könne man seine Ferne beweisen durch beflissenes Umarmen dessen, was die Jüngeren (angeblich) wollen, das Neue. Und übrigens Ausdruck der fallacia kohlensis: Argument aus einer Erfahrungswelt, in der immer alles irgendwie von selbst gut ausgeht.]

7. Dezember 2009 1:18 | Kommentare (25)



Das Fenster mit dem Schemen eines Herrn, der mit präzisen Bewegungen einen reglosen Vorhang dirigiert.

1. Dezember 2009 0:28 | Kommentare (0)



Das Plebiszit in der Schweiz ist nicht ein schiefgegangenes Plebiszit, es ist das schiefgegangene Plebiszit. Das, das immer schiefgehen wird. Die Schweizer sind kein schlechteres Volk als irgendein anderes, in vieler Hinsicht sind sie ein besseres. Es geht ihnen zudem nicht schlecht, sie sind unbedroht, respektiert und blicken auf eine stolze Tradition. Und doch nutzen sie ihre Gelegenheit, der Aufklärung ins Gesicht zu spucken und eine kapitale Dummheit zu begehen: Weil sie eben, seufzte er resigniert, ein Volk sind. Die Frage ist nicht, weiß das Volk, was es will, die Frage ist nicht, sind Parlamente käuflich. Wer ein System politischer Entscheidungsfindung beurteilt, soll sich, immer noch, zuerst die Frage stellen: Wieviel Zeit haben die Kräfte der Aufklärung, auf das Recht achtzugeben, wenn das Volk die fatale Frage gestellt bekommt und “Ja!” schreien will.

Es wird ein schönes Spektakel werden, ein Bockigkeitswettstreit unter Bergbauern, die ihre Modernisierungshausaufgaben seit Jahrzehnten verweigern, symbolische Politik zur Kühlung des provinziellen Mütchens aber durchaus gelernt haben. Viel Freude miteinander.

Tools.

30. November 2009 1:26 | Kommentare (2)



die lange verlorene Stille, für einen Moment // die Lehrküche im Keller, aus deren unzugänglichem Geheimnis es nach Schokoladenkeksen roch oder nach einem nie identifizierten scharfen Gewürz // Kiesel, in abgelegenen Betonwannen, Hüter der stillen Treppenenden // der sich unter einer flach liegenden Handfläche erwärmende, glatte, vernarbte Beton // Kork, Fasertapeten, Spotlights // das zu frühe Erwachen an einem unvertrauten Ort (eine unwillkürliche Bewegung) // zwischen den Vorhängen fahl der Himmel über einem fremden Dach // die behutsame Deckenrestitution // die Aufhebung der Grausamkeit (nicht die Abwesenheit der Grausamkeit: Die Aufhebung) // die messerscharfe Kante zwischen dem Verzeihlichen und dem Unverzeihlichen.

28. November 2009 12:53 | Kommentare (0)



ein Zeitteilzeichen: hier endet / hier beginnt, dies sei markiert als

26. November 2009 23:53 | Kommentare (0)



schnääk ging die Maschine und ritzte eine weißrieselnde Rille in ein gleichseitiges Dreieck aus schwarzem Schiefer, eine horizontale Ritze auf zwei Drittel der Höhe des auf einer Seite stehenden Dreiecks aus schwarzem Schiefer. Die Maschine verwendete einen Nagel.

26. November 2009 2:08 | Kommentare (0)



Als Kind betrieb ich mit Inbrunst die Anbetung des Tigers: Nicht des gefleckten Tigers der Grassteppen des Paraná und der amazonischen Wirrnis, sondern des gestreiften asiatischen Königstigers, mit dem nur Männer des Krieges es aufnehmen können, in einem Turm auf einem Elefanten. Vor einem der Käfige im Zoologischen Garten hielt ich mich endlos auf; ich bewertete die weitläufigen Nachschlagewerke und Bücher über Naturgeschichte nach der Pracht ihrer Tiger. (Noch immer erinnere ich mich an diese Gestalten: ich, der ich mich nicht zweifelsfrei an die Stirn oder das Lächeln einer Frau erinnern kann.)

25. November 2009 1:37 | Kommentare (3)



der Grauschleier: heben Sie ihn an, drei Zentimeter, oder tauchen Sie hinab, drei Zentimeter, da ist es: Orangenhaine, Aquaedukte, Azurschimmer, Bogen und Knie, Zikaden und Tuch — den Grauschleier gilt es mitzudenken, er ist abzuziehen. Wenn wir unzufrieden sind mit den Verhältnissen, dann weil sie uns nicht genug Kraft lassen, um den Grauschleier abzuziehen.

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Zürich lag unter mir im Föhn: über die Hügel gegossenes Licht, glimmende Inseln im Dunkeln, verbunden über getigerte, pulsierende Energiebänder, Schmuck des Planeten. Die Maschine legte sich über die linke Tragfläche, hob die Nase und applizierte aufbrausend Kraft.

[ich kann nichts dafür, es war so]

18. November 2009 23:28 | Kommentare (1)



der Ölgeruch der Linse, langfingriges Gras /

14. November 2009 20:23 | Kommentare (0)



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The subtleties a spectrograph would miss.