Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Halbschlaf: Umschaun in der Bahnhofsbuchhandlung. Neben der fünften Ausgabe des „Freund“ liegt ein neues Heft. Es hat einen großkotzigen Titel, den ich nicht mehr weiß, aber der Untertitel lautet „Magazin für die letzten nicht bekloppten Zeitgenossen“. Ich schlage auf und suche nach der Liste der Autoren. ?????? ??????, ?????? ???, ????? ????????, ???? ??????, ????? ????? und noch ein paar. Endlich, denke ich mir, sie haben’s endlich getan, war doch klar, daß die sozialen Ressourcen ausreichen würden, wenn sie mal zusammenlegen. Lauter launiges Zeug von talentierten Menschen ist da drin, in dem Heft, und es verkauft sich flott. Und genüßlich stelle ich mir (im Halbschlaf) vor, wie sich die Leute im „Sonntag im August“ gegenseitig erzählen, daß sie da jetzt mal eine Textprobe hingeschickt hätten, an dieses neue Heft von diesen Weblog-Leuten, die könnten sicher auch mal einen Text mit literarischem Anspruch gut gebrauchen. (Ich bin im Halbschalf ganz schön gehässig, wissen Sie.)

[Pseudolektion aus der Geschichte: Die talentierten Leute einer Epoche scheinen sich immer über höchstens zwei Ecken zu kennen. Was natürlich daran liegt, daß man von denjenigen Talentierten, die die anderen nicht über zwei Ecken kannten, nichs mehr weiß. Nun, vielleicht leistet diese Sich-gegenseitig-Lesen-Vernetzung der paar guten Weblogs da draußen ja heute das, was die Boheme-Kneipen um die Jahrhundertwende leisteten. Könnte ja immerhin sein, kann man ja nicht wissen. Es gibt jedenfalls keinen Grund für wenigstens die obengenannten, auf diesen kleinen Größenwahn zu verzichten. Letzte Bauchpinselei vor 2006, versprochen. Aber ehrlich: Irgendwas in der Richtung, vielleicht auch nur elektronisch, sollten die probieren. Weblogs sind nett, aber formal eng, auch weil man davon so schnell nicht wird leben können und sie sehr nebenbei machen muß.]

Link | 29. März 2005, 4 Uhr 03 | Kommentare (8)


8 Kommentare


am untertitel müssen wir noch ein wenig feilen. der nochnichtexistente aber gleichwohl angedeutete titel aber fühlt sich schon sehr, sehr gut an. will sagen: bin dabei. wann geht’s los?

[3 teile offensiv, 1 teil scherzhaft, 2 teile ernst. gut mixen und eiskalt servieren. ist inzwischen die einzige möglichkeit, mit komplimenten of all shades umzugehen.]

Comment by frank | 05:00




Mir scheint: Eigentlich wollen alle. Es rumort ja auch schon eine Weile leise vor sich hin. Es ist nur noch nicht raus, wie man’s macht.

(Ich selbst hab‘ wirklich keine Ahnung. Meine einzige Print-Management-Erfahrung war eine Schülerzeitung, und online krebse ich gelassen seit vier Jahren mit dieser Seite hier in Gefilden der Erfolglosigkeit, die man eigentlich schon wieder charmant nennen muß.)

Vermutlich ist es gedruckt einfacher, Leuten Geld für Text abzunehmen. Aber wie geht sowas überhaupt? Ich bin da unbeleckt wie ein frisch eingetütetes Softeis. Lernt man vielleicht sogar das, da in Ilmenau?

Comment by spalanzani | 05:21




das hier ist eine uni, keine fh – da lernt man das, was man sich beibringen möchte. kurz: nein (ich jedenfalls nicht). womit wir wieder beim ausgangsproblem wären. allerdings meine ich eine affinität zur schülerzeitungsmitarbeit unter „webloggern“ feststellen zu können, fällt mir da gerade ein und auf.

aber zur sache: keine erfahrung. ich. natürlich. und eigentlich auch gar keine zeit für „sowas“, zur zeit, deswegen täte ich mich maximalst an dergleichen ideen brainstormend und quasimitarbeitend beteiligen können, nicht aber so richtig (ösi)ur(/ösi)produktiv. glaube ich.

die softeis-metapher (ich bin dermaßener nichtgermanist, daß ich nicht mal sicher bin, ob das eine (metapher) ist) würde ich bei gelegenheit übrigens gern in meinen aktiven wortschatz übernehmen.

Comment by frank | 05:34




Hm – also, ich kann nach meinen Erfahrungen nur sagen, dass man für so ein Projekt eine sehr dicke Haut braucht. Everybody is going to rat you. Für jeden, den man nimmt, finden sich 100, die das indiskutabel finden, weil sie selbst genommen werden wollen. Und der Hinweis, dass sie doch selbst auch was tun können, ist nicht zielführend. Mach ein Buch und sie hassen Dich. Gebe ein Interview, und sie hätten es viel besser gemacht. Schaffe etwas, und sie versuchen, Dich in den Dreck zu ziehen. Besonders die, die es selbst versucht haben, und es nicht auf die Reihe bekommen haben. Und ihre Freunde machen gern mit.

Aber es wird daran gearbeitet – darf ich bei der Gelegenheit auf die langsam entstehenden Lesungen in Berlin hinweisen? Das könnte ein Anfang sein.

Comment by Don Alphonso | 12:35




berlin ist so weit weg.

Comment by andrea | 09:27




Huch. Ich muss Ihnen wohl einmal eine Email schreiben.

Comment by Jens Thiel | 00:19




Huch, da google ich nichtsahnend aus beruflichen Gründen meinen Namen und stoße auf „sowas“ hier. Hmm. Erstmal danke. Sowas spornt schon an. Wegen gemeinsamer „Projekte“: Ja. Nein. Es gibt unter den hier anwesenden nicht wenige, mit denen ich solche Gespräche bereits persönlich geführt habe. Und, ja, irgendwie kennen wir uns ja doch alle und finden uns nett und so. Aber: Niemand, mich eingeschlossen, ist gegenwärtig dazu bereit, in die Vollen zu gehen. Also es eben nicht wie Johnny zu tun und einfach mal alle drauflos schreiben zu lassen, sondern vielleicht wirklich etwas koordinierter loszulegen.

Mein persönliches Problem mit der Sache: Ich bin versaut. Nicht nur in Gedanken, sondern auch in Taten. Ich verdiene mein Geld mit schreiben – in einer Werbeagentur. Natürlich hadere ich, wie alle denkenden Menschen, mit meinem Schicksal und plane im Schnitt alle fünf Minuten meinen Ausstieg. Allein, ich brauche das Geld. Klingt profan, ist es auch. Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass ich nach 12, 14 Stunden Agenturtag nicht einmal mehr ansatzweise die Lust verspüre, produktiv zu werden. Genauer: Ich will mit niemanden mehr etwas zu tun haben und weder sprechen, noch schreiben, noch denken.
Fernsehen geht noch. Und Musik natürlich. Selbst der Gute-Nacht-Sex wird da schon schwieriger.

Punkt 2: Ich habe als Kid-Punk mit dem schreiben angefangen und ein Fanzine gemacht. Damals ging es mir um „Leute kennenlernen“, Musik-Tapes tauschen und diesen Do-It-Yourself-Geist auszuleben. Hat prima funktioniert. shesaiddestroy.org ist heute so etwas ähnliches wie mein Fanzine. Ich schreibe hier über Dinge die mir gefallen oder die mich nerven. Ohne Kompromiss. Und wenn ich zwei Wochen lang nichts schreibe, schreibe ich eben zwei Wochen lang nichts. So verstehe ich meine Website und möchte das eigentlich auch gar nicht ändern. Mal abgesehen davon, dass ich trotz meiner Hintergrundsoftware nicht als Weblogger verstanden werden möchte, sondern einfach als „der Typ hinter shesaiddestroy“.

Was mich wirklich kicken würde: Ein Magazin. Etwas haptisches, etwas, das man mit ins Bett oder aufs Klo nehmen kann (kommt mir jetzt nicht mit Wireless Lan…). Etwas, das ich ins Regal legen und vergilben lassen kann. Etwas, das gedruckt ist und kostet und profitabel sein muss, aber dennoch auf die Marktgesetze scheisst und eben kein Hybrid ist zwischen Qvest (kommt übrigens wieder auf den Markt!) und Der Freund.

Die Online-Alternative: Ein Magazin, das ebenfalls kostet und vielleicht als jährliche Best-Of-Edition gedruckt wird. Ich rede hier von Geschlossenheit, Abgrenzung gegen den medialen Mainstream, elitäre Grundhaltung. Verdammt hohe Ansprüche, keine Frage.

Aber ein Gemeinschafts-Weblog? Schwierig, kann ich mir ehrlich gesagt kaum vorstellen. Aber zur Diskussion bin ich gerne bereit. Und zum berühmten Feierabend-Bier auch.

Comment by SUB / Fabian Sax | 16:43




Punkt 1: Natürlich. Glaub mir, wer häufiger in einer Schering-Kantine zwischen Seramis-Kunstpalmen speist, ist erst recht auf du und du mit dem Gefühl, daß das mit dem Broterwerb jetzt aber etwas zu weit geht. Sogar wenn das noch gar nicht so weit ist.

Punkt 2: Gemeinschaftsweblog ist natürlich dasselbe in Zusammengeschüttet, genauso gut oder schlecht wie vorher. Macht auch nicht mehr Spaß vermutlich.

Natürlich will man eigentlich: Gedruckt. Alle. Ich selbst wär‘ ja schon glücklich, wenn ich’s nur lesen dürfte. Ich habe eine regelrechte Magazinsehnsucht. Nach einem leisen Ernst und gut vergrabenen Späßen, nach merkwürdigen Menschen, die Dinge tun oder sagen, die nicht auf den ersten Blick durchschaubar sind. Leuten, die sich auskennen mit abwegigen, komlizierten Sachen. Sprachen sprechen, die nicht vom Grabbeltisch sind. Nach Lüge, Fälschung und Verwirrung. Nach guten Geschichten halt, aber das sagen ja alle.

Was das Machen angeht: Eben. Also, mich dürfte das auch gern kicken: Die Euphorie, etwas richtig Gutes zu machen. Lange Nächte vor QuarkXPress, zittrige Finger und glasige Augen. Was lernen von Leuten, die fanatischer für eine Sache sein können als für sich selbst. Sowas. Und ja, vielleicht auch das Gefühl: Hey, das kann man verkaufen, das braucht jemand, das /will/ jemand und vorher hat er noch gar nicht gewusst, daß er das will. Aber wieder: Das sagen eigentlich alle.

Also: Klar. Man müsste wohl in ein kaltes und düsteres Wasser springen, in dem kaum noch Platz ist zwischen den Ersoffenen und wo auch noch, wie mir versichert wurde, die Haie gebleckten Zahns spazierenschwimmen. Und das ist doch was für Verzweifelte.

[Die elitäre Online-Alternative klingt so reizlos übrigens nicht. Der Feierabend erst recht nicht.]

Comment by spalanzani | 23:53