Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Lulus Hartnäckigkeit hat mich eins gelehrt: Wer nicht verzichtet, kann auf die Erfüllung seiner Wünsche hoffen. (Chow, in Wong Kar Wais 2046)

Verzichten, das ist die Allianz dreier Fehler: Mutlosigkeit („es ist besser so“), Hochmut („ich weiß, daß es besser so ist“), und der Fähigkeit zum Leugnen der Wünsche („in Wirklichkeit wünsche ich es mir nicht anders“). Natürlich könnte das Verzichten auch eine Defensivmaßnahme gegen eine grausame Wirklichkeit sein, aber Chow hat vermutlich Recht: Die Wirklichkeit ist gar nicht so fest, wie wir denken, und selbst wenn sie es ist, was bleibt uns?

Link | 8. Mai 2010, 12 Uhr 18 | Kommentare (20)


20 Kommentare


Oh ja. Gut.

Comment by stralau | 12:51




Haben Sie Dank.

Comment by Texas-Jim | 15:21




Allerdings kann Verzicht in einer etwas anderen Bedeutung auch heißen, Macht über seine Wünsche zu gewinnen.

Comment by stralau | 17:32




Wenn die Wünsche Unrecht sind, ist das vielleicht eine gute Sache.
Aber selbst dann: Was ist das für eine armselige Macht, noch grausamer zu sich selbst sein zu können als die Welt?

Comment by spalanzani | 17:45




Ich meinte gar nicht Wünsche, die unrecht sind, sondern solche, die ablenken.

Comment by stralau | 18:23




Guter Film. Sowas von gewollt und trotzdem gelungen. Chow hat natürlich recht, sagt aber nichts zur Ordnung von Wünschen. Wenn man gleichzeitig (oder abwechselnd) monogam und polygam leben will, bringt verzichten oder nicht verzichten nix. Die Schwierigkeit ist doch eher, sich über seine Wünsche klar zu werden. Oder?

Comment by froschfilm | 21:43




Quatsch für unreifes Neon-Gelichter. Meine Wüsche sind jedenfalls klar wie die Maimorgen.

Comment by spalanzani | 22:37




Naja, nicht jeder ist in der glücklichen Lage wie Sie: Wünsche kommen ja nicht immer nur von innen, sondern werden auch von aussen herangetragen. Vielleicht sollte man mal etwas mehr zwischen Verzicht, Unterdrückung der eigenen Wünsche, Selbstbeherrschung, Selbstkasteiung und reinem Flagellantentum unterscheiden. Mäßigung und Nüchternheit sind immer noch Tugenden, wenn Sie also wissen, was Sie wollen, und warum, ist das etwas anderes, als bei jemandem, der nicht wirklich weiss was er will, und auch nicht warum. Ich verfahre mit allen Dingen so, wie im Bücherladen, wo ich zum Ende hin die Bücher immer in zwei Stapel sortiere: Die, die ich sowieso mitnehme, und die, von denen ich nicht sicher bin, ob ich sie mitnehmen soll. Dann wird per Buch entschieden, und zwar ziemlich rasch. Ich halte es nicht für einen Fehler, all diese aussortierten Bücher nicht gekauft zu haben. Ein Fehler war nur, wenn ich es wirklich kaufen wollte, aber nicht konnte, weil ich kein Geld hatte oder es mir zu schwer war fürs Gepäck.

Comment by E. | 22:46




Sehr gut, danke dafür!

Comment by André | 09:26




Klar sind meine Wünsche nur im Abstrakten. Je konkreter, desto mehr Zielkonflikte. Wenn Sie das nicht kennen: Meine Glückwünsche!

Comment by froschfilm | 10:51




Schön und gut festgestellt für den, der in jeder passierten Bäckerei eine Versuchung sieht. Nur: gerade Nicht-Verzichten macht Menschen maximal klar, was sie sich nicht wünschen.

Comment by Akognea | 13:06




Naja, schon dumm, wenn man dann mit so einem ungewollten Kipferl dasteht, noch dümmer, wenn es ein Mensch ist und kein Hörnchen, den man da gedankenlos konsumiert hat. Wie es heisst in ‚Fanfan und Alexandre': ‚Was machst Du, wenn ich Dir einen Kuchen gebe?‘ – ‚Ich esse ihn auf‘ – ‚Na Siehst Du.‘

Comment by E. | 07:54




Da könnte man jetzt argumentieren, daß nicht jede Kipferlversuchung gleich ein Wunsch ist und man die Unterscheidung schon machen kann. Wir sprechen ja auch nicht über Lulus Leichtfertigkeit, sondern über ihre Hartnäckigkeit.

Comment by spalanzani | 08:16




Ich würde an dieser Stelle gerne aus semantischen Gründen den Begriff „Hartnäckigkeit“ durch „Beharrlichkeit“ oder, noch besser, durch Lulus „Beharren“ ersetzen wollen. Ich glaube, das macht die Sache etwas konziser.

Comment by zak | 08:42




Zumal wir es mit einer Übersetzung aus dem Chinesischen zu tun haben und wir uns diese Freiheit durchaus erlauben können.

Comment by spalanzani | 09:59




Habe nicht gesagt, dass man die Unterscheidung nicht machen kann, sondern, dass man die Unterscheidung machen muss -nachdem auch Menschen sich anderen Menschen gelegentlich antragen (wie die Hörnchen), und dann Verzicht nicht gleich Verzicht ist.
Beharrlichkeit kann auch Grausamkeit gegen sich selbst sein, wenn der Preis, den man für seine Wünsche zahlt, zu hoch wird.

Comment by E. | 15:16




Das ist wahr, aber natürlich sehr ökonomisch gedacht. Ich bin ja prinzipiell nur ökonomisch, wenn man mich dafür bezahlt.

Comment by spalanzani | 00:20




Manchmal denke ich, dass Orpheus nicht von den Mänaden zerrissen wurde, sondern von einer Horde enttäuschter Romatikerinnen-

Sie können mir gerne Ökonomie vorwerfen, das macht nichts. Ich streichle dann meine Narben und sage mir, dass Sie es irgendwann besser wissen werden.

Comment by E. | 02:23




„Ich bin ja prinzipiell ökonomisch, wenn man mich dafür bezahlt.“

Für diesen schönen und wahrscheinlich sogar wahren Satz, der mir den Morgen mit meinem glockenhellen Lachen erleuchtete, bekommen Sie heute Abend ein Schäuferl mehr. Vielleicht.

Comment by zak | 06:27




NUR

Comment by zak | 06:27