Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Und so begab es sich in jenen Tagen, daß unser Held (in Gesellschaft) den edition-Suhrkamp-Laden in der Linienstraße aufsuchte, wo der Schriftsteller Rainald GOETZ vorlesen und sprechen sollte. Im edition-Suhrkamp-Laden hatten sich versammelt: Eine große Zahl von INTELLEKTUELLEN und dazu eine große Zahl von ARSCHLÖCHERN, die alle dem Schriftsteller Rainald Goetz zuhörten, der viel Wahres und Grimmiges und Richtiges und Schönes sagte und vorlas, von sich und anderen, wie sich der Held das wünscht und denkt. Der Schriftsteller, die Goetzmaschine, die große Analysier- und Wahrnehmungs- und Intelligenzdampfapparatur, produzierte dabei immer wieder Sätze von so hervorragender Druckbarkeit und Wahrheit, daß der Nachmittag als gelungen und die Veranstaltung als eine Freude bezeichnet hätte werden müssen, hätten nicht die erwähnten ARSCHLÖCHER zunehmend ihr Bedürfnis ausgedrückt und ausgelebt, mit dem Schriftsteller zu TAUSCHEN und selbst viel anerkannt Kluges und Wahres und Schönes zu sagen, und zwischenzurufen und in zunehmend aggressiver Art von sich selbst zu sprechen und zu fordern, daß von ihnen gesprochen werden sollte. Und so passierte es, daß der Schriftsteller Rainald Goetz gerade von der Verletzlichkeit und Irritierbarkeit des Schriftstellers, also des Prozessierers von Wirklichkeit und Gegenwart, der er ist, gesprochen hatte, und sofort danach VERLETZT und IRRITIERT wurde von den ARSCHLÖCHERN, die so schlecht ertrugen, daß die Veranstaltung im edition-Suhrkamp-Laden von dem Schriftsteller Rainald Goetz bestritten wurde und nicht von ihnen. Und hier sah man also die Reaktion des DUNSTKREISES SUHRKAMP mit der Tatsache Berlin Mitte sich vollziehen. Die Explosivität des Gemisches wurde deutlich, als das aus dem siechen Suhrkampkörper ausströmende Gas mit den hellen Flammen der psychotischen EITELKEIT des Berlinmittetums in Kontakt kam. Das längst mit ärgerlichen MITTEFIGUREN durchsetzte Programm des Verlages genügte den Mittefiguren nicht, und sie ertrugen schlecht, daß die seit ihrer frühesten Tage sie begehrlich stimmende einstige Suhrkamp-Aura nur den Schriftsteller Rainald Goetz restbeglänzte, und daß der sich für Proust und die Wahrheit und den Papst, nicht aber für sie interessieren wollte.

Der edition-Suhrkamp-Laden, der ja als Veranstaltungsort als Versuch einer Aktualisierung und RETTUNG von Suhrkamp als Verlag gedacht ist, funktioniert also, das muß man sagen, in genau dieser Weise: Als Hineinragen der literarischen Welt, in der zum Beispiel von der WELT und der MACHT und dem CHARAKTER gesprochen wird, in die unliterarische Welt Berlin Mitte, in der nur vom ICH gesprochen wird, in seiner einzigen Dimension: Der Beachtetheit oder Unbeachtetheit, also Gekränktheit.

Link | 15. Mai 2010, 20 Uhr 00 | Kommentare (9)


9 Kommentare


Ich möchte dazu noch ergänzen, dass es sich hier nicht um die gemeinen ARSCHLÖCHER, wie sie auch anderswo herumlaufen, und von denen sich naturgemäß wohl auch einige in dieses bunt farbbekreiste Whitecube-Simulationsmodell verirrt haben, handelte, sondern, ebenfalls naturgemäß, um die ganz spezielle Subspezies der MITTEARSCHLÖCHER, die dort wirklich par exellence das tun konnte und auch tat, was MITTEARSCHLÖCHER eben so tun.

Comment by zak | 20:34




Verzeihen Sie, das war jetzt recht redundant. Das schrieben Sie ja bereits. Aber ich bin noch immer aufgebracht, da passiert das schon mal.

Comment by zak | 21:04




Aber WAS haben sie getan, die verdammten Mitte-Arschlöcher und wie hat Herr Goetz reagiert? Bitte konzentrieren Sie sich und schildern es uns Kleinstädtern so genau wie möglich, recht vielen Dank!

Comment by Fidus | 21:19




Nein, Fidus, verzeihen Sie, ich fürchte, das muß reichen: Es ist genug herumgebashed worden auf diesen Leuten, glaube ich.

Comment by spalanzani | 23:29




Sehr schade. Jetzt geht die unterernährte Vorstellung ihre eigenen, krummen Wege. „Diese Leute, diese Leute…“, so genau weiß ich nicht, wovon die Rede ist. Mythos Mitte-Arschloch.

Comment by Fidus | 07:40




liest sich so, als wären wir alle die arschlöcher? falls ja, dann stimm ich dem zu.

Comment by Jan | 13:52




Das hört sich — an. Habe ich gleichwohl etwas verpasst?

Comment by Moeste | 22:34




Diese Spezies in ihrem speziellem Verhalten zu beschreiben, wäre schon redundant. Als Berliner, aber auch als mal-Mitte-besucht-Haber kennt man derlei Gesocks (Entschuldigung). Ich hätte die Veranstaltung an diesem Ort aus diesem Grund mit diesem Schriftsteller auch nicht besucht.

Comment by Lorilo | 22:23




Es war ganz hervorragend und interessant, nur nicht durchgängig angenehm und streckenweise erschreckend.

Comment by spalanzani | 23:48