Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Zwischen Liebenden gibt es, vermutlich prinzipiell, eine 2×2-Matrix des Hungers nach Mehr. Eine oder einer hat ein Bedürfnis: Das Ausprobieren eines Charakterzuges, einer Art, mit der Welt umzugehen, einer Art, die Welt wahrzunehmen, einer Art, in der Welt zu sein, oder zusammen zu sein: Hunger.

Zu diesem Hunger lässt sich eintragen: Auf der x-Achse das Vertrauen der/des einen, daß das zusammen erforschbar sei. Und auf der y-Achse die Reaktion darauf, offensiv (au ja!) oder defensiv (stimmt was nicht mit mir?). Also:

Ich traue Dir zu, dies und jenes in Dir zu finden.
Ich traue Dir nicht zu, dies und jenes in Dir zu finden.
Du fühlst Dich herausgefordert und willst spielen.
Du fühlst einen Vorwurf, nicht anders zu sein.

Macht vier Quadranten:

Ich glaube an mehr von Dir, und Du hast Lust zu wachsen.
Ich bin unzufrieden, obwohl Du Lust hättest zu wachsen.
Ich glaube an mehr von Dir, aber Du denkst, Du genügtest mir nicht.
Ich bin unzufrieden, und Du spürst, Du genügst mir nicht.

Offenbar funktioniert zwischen hungrigen Menschen nur der erste Quadrant: Der Glaube ans Gegenüber, und das ruhige Vertrauen des Gegenübers, nicht zum Jemandanderssein aufgefordert zu sein, sondern zum Mehrselbstsein. Die anderen drei Quadranten sind Unzufriedenheit und Ressentiment und Zerstörung.

(Dabei ist übrigens nicht davon die Rede, daß jeder Hunger gestillt werden oder stillbar sein muß. Natürlich gibt es Paare, die sich alles zutrauen und alles versuchen und ein Leben lang, nach Maßstäben der anderen, nirgendwo ankommen damit und ein bisschen lächerlich sind. Der Erfolg spielt aber ja gar keine Rolle in diesen Dingen: Daß man sich untereinander jeden Mißerfolg verzeiht, ist ohnehin die Grundlage von allem.)

Link | 16. Juli 2011, 14 Uhr 10 | Kommentare (6)


6 Kommentare


Oder aber auch [Achtung, jetzt ganz kompliziert]:

Es IST einfach.

Denn all das Beschriebene ist doch immer noch das verhaftet sein im Diskurs der Rank’schen Genügungserforschung. Diese Theorie hier ist ein DAVOR, die Barthes’sche hingegen vielleicht ein DARIN, der Ausweg [der ja gar keiner sein muss, da diese Systematik vollkommen überflüssig ist] hingegen das JENSEITS von all dem.

Comment by zak | 14:29




Achtung: Ich spreche über die Lebbarkeit des Lebens, Du über die Lebbarkeit der Kunst (des JENSEITS, in der es keine Genügungserforschung und deswegen auch kein Ungenügen gibt, der permanente vierte Quadrant, wo auch Roland Barthes mitten in der Niederschrift des Satzes Die Abwesenheit wird zur aktiven Praxis, zur Geschäftigkeit einfach geküsst wird).

Es ist nicht einfach, es wird einfach sein, wenn erst Emus in der Zone sind.

Comment by spalanzani | 14:45




Ein mathematiker wuerde jetzt sagen, was, das solls schon gewesen sein, die ganze beschreibung des Zwischenmenschlichen laesst sich schon durch ein koordinatensystem ausdruecken, es braucht da keine geschlossenen Kurven, differentialgleichungen, iterationen, fixpunktsaetze? Und die zustaende, von denen sie reden, das sind ja paare von Vektoren, aber das impliziert nur dann eine Matrix, wenn die abbildung tatsaechlich linear waere. Sie meinen, die Abbildung waere linear? Macht aber nichts, im Kern lebt es sich sicher. Was ich wohl sagen will: wenn Sie in Ihrem reich verbleiben, dann scheint mir die innere logik von dem was Sie so schreiben, gleich viel schoener und korrekter. Bei dem, was da oben steht, sind die metaphern schon so loechrig und duenn, dass ich sage: Glaube ich nicht.ich glaubs nicht.

Comment by E. | 14:52




Vollkommen falsch, Vuine, vollkommen falsch. Ich spreche über exakt das, was Sie meinen – die Praxis nämlich, das gelebte Leben und nichts anderes. Und das was E. sagt, kann ich darob ganz genau so unterschreiben.

Comment by zak | 14:58




P.S.: Das JENSEITS, von dem ich sprach, ist die Unnötigkeit all dieser Theorie. Im alltäglich Gelebten, wo sonst?

Comment by zak | 15:00




P.P.S.: Oder, ganz runtergebrochen – die Emus SIND in der Zone.

Comment by zak | 15:02