Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich sah die Sonne tief stehen über Vorpommern, die Wiesen, Wasser und Heuballen; beige und orange legte sich das Licht trocken in die Frische und zwischen die Halme. Elegant durchschoss selbst mein plumper roter Regionalexpress diese Szenerie eines glücklichen, glücklichen Landes unter treibenden Wolken. Ich sah die Windräder und Sonnenkollektoren, ich sah die Autowerkstätten, Dachdeckerbetriebe und die Fuhrparks der Elektriker, die halb abgesoffenen Felder und neuen Bushaltestellen, und ich war mir sicher, daß man die kombinierte Patentheit all dieser Leute dort draußen mit nichts außer totaler Vernichtung überhaupt noch einmal je kleinkriegen könnte. Ich saß und las Chateaubriands Memoiren oder sah den Windrädern zu, die sich in Vorpommern drehen, damit in Berlin neue Dienste zum Austausch von Meinungen über Dienste erfunden werden können. Der Wind war mit mir und dem Regionalexpress, die Sonne stand tief. Ich nickte ein, und hin und wieder lauschte ich dem irren Kreuzworträtselgebrabbel des Ehepaars auf der anderen Gangseite.

Link | 22. August 2011, 22 Uhr 38 | Kommentare (5)


5 Kommentare


Zugfahren ist es. Wie oft photografierte ich die tiefstehende Sonne aus dem Metronom zwischen Hamburg und Bremen?

Comment by froschfilm | 17:25




Habe ich Ihnen schon von meinen Plänen erzählt, die USA bei Bankrott ggf. aufzukaufen, und in „Klein-Pommern“ umzubenennen? Texas wird – als dickster Bundesstaat – dann an Mexiko zurückgegeben, falls sie es noch haben wollen.

Comment by E. | 17:31




Na ich hoffe, Sie haben genug Schokolade zurückgelegt! Oder in was man dann eben so einen Bundesstaat bezahlt.

Comment by spalanzani | 19:47




Im 3. Stock wohnt ein 5jähriger, der voll auf mich steht. Den habe ich einstweilen schon mal gebeten, mir im Keller ein paar Fliegerbomben auszugraben. Das erscheint mir profitabler, als sein eigener Plan, unter Verwendung einer Flachzange im Hinterhof „die Stadt Berlin“ zu bauen.

Comment by E. | 21:41




Schön. Vielleicht das „plump“ vor dem Regionalexpress und ein „glücklich“ streichen? Das würde es m.E. etwas weniger vordergründig machen (das „selbst“ und „der Regionalexpress“ implizieren das „plump“ oder ähnliche Konnotationen und es verbleibt zusätzlich ein wenig mehr Interpretationspielraum).

Comment by metepsilonema | 12:52