Bilder von mir

Bildervonmir

Milla trippelte ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Ich wusste, sie war gespannt darauf, mich den anderen Stipendiaten vorzustellen. Ich kannte das schon. Sie hatte die Zeit genutzt und ein bestimmtes Bild von sich gemalt. Darin war auch ich zu sehen, nicht in der Mitte, auch nicht am Rande, eher im Hintergrund. Ich war da, ich war präsent und ich sah gut darin aus. Über die Jahre war ich, hätte man eine Reihe aus Millas vergangenen Bildern in Rahmen gesteckt und an eine Wand gepinnt, von ganz vorne nach hinten gewandert. Das drumherum war ziemlich gleich geblieben, eine Barszene in der Nacht, mit warmen Lichttupfern, schimmernden, halb geleerten Gläsern,  mit etwas Neonlicht aus der Küche, mit ungewöhnlichen, wechselnden Gästen und wilden Tanzszenen. Und natürlich war da auch eine Band und eine schöne, geheimnisvolle Frau am Mikrophon, die, halb im Schatten und halb im Licht, alle Blicke auf sich zog. Ich bin sicher, hätte es diese Hängung wirklich gegeben, dann hätte ich sie mir ganz genau angeschaut, Bild für Bild.  Ich hätte meine eigenen, immer wieder gleich gemalten Gesichtszüge darin studiert und in ihren Nuancen Veränderungen erkannt und Antworten gefunden. So aber war ich blind. Ich starrte immer wieder auf ein anderes Bild und hoffte jedes Mal, es sei das Gleiche. Das lag an der Schönheit, Millas Schönheit, die greifbar war, aber nur aus Worten und  Tönen bestand. In Wahrheit waren es Farben. Und ich der einzige, nein, der lebende Beweis, dass es diese Szene wirklich gab.

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