Leben auf dem Mars

Obwohl ich darauf gewartet hatte, weckte mich auch das Läuten an der Tür nicht. R. patschte mir auf den Rücken.

„SMS.“

Dann drehte sie sich zur Seite und warf mir ihre blonden Strähnen ins Gesicht. Ich sah ihren schlanken, im Kerzenlicht schimmernden Körper. Die Musik im Wohnzimmer lief mit voller Lautstärke. Es war kurz nach halb sechs. Auf dem Display leuchtete der Satz: „Oh nee, ich krieg die Krise, bin durchgefroren und steh hier schon nen Weilchen, scheinst mich nicht zu hören…“ Ich sprang aus dem Bett und taumelte gegen die Wand. Ich fischte meine Unterhose aus den Laken und tastete mich im Dunkeln durch die Wohnung. Als ich die Tür aufsperrte und aus kleinen Augen ins Treppenhaus linste, war M. schon wieder auf dem Weg nach unten. Eiskalte Luft schlug mir entgegen.

„Oh Mann.“, quengelte er. „Bin ich froh. Dachte schon, ich muss am Ostbahnhof pennen.“

„Hey. Sorry, tut mir leid. Komm rein.“

„Warum hast du die verdammte Mucke so laut?“, maulte er und schlüpfte an mir vorbei.

„Die Kleene braucht das.“

„Ach so.“

Wir umarmten uns. Dann stellte ich die Musik ab.

„Bettzeug liegt auf der Couch.“

„Danke.“

„Sonst kennst du dich ja aus.“

„Ja.“

Ich schloss die Schlafzimmertür hinter mir und löschte die Kerzen neben dem Bett. Dann kroch wieder unter die Decke und drückte meinen Schwanz gegen R.s Po. Es dauerte nicht lange und ich war wieder eingeschlafen. Als ich gegen Mittag erwachte, lag ich allein im Schlafzimmer. Auf dem Weg zum Klo sah ich, dass M. sich bereits ordentlich ausgebreitet hatte. Es roch überall nach ihm und ein Teil seiner Klamotten hing über der Heizung im Wohnzimmer. Auf dem Couchtisch stand ein gewaltiger Bong, die Luft roch nach Rauch und Marihuana. In der Küche stolperte ich fluchend über seinen geöffneten Rollkoffer. Er selbst aber war verschwunden. Ich frühstückte. Danach saß ich eine Weile planlos herum, trank schwarzen Kaffee und rauchte. Irgendwann klingelte das Handy.

„Wo steckst du denn?“, fragte ich.

„War noch beim Lektorat. Das neue Projekt, weißt schon.“, sagte M.

„Und was ist der Plan?“

„Ich hätte Lust mich von irgendwelchen Thailänderinnen massieren zu lassen. Aber ne Mütze Schlaf könnte ich auch vertragen.“

„Dann komm doch erst mal nach Hause.“

Eine halbe Stunde später stand er mit einer Aldi-Tüte in der Hand vor der Tür. In der Küche stellte er ein paar Flaschen Pils auf den Tisch und packte etwa fünf verschiedene Sorten Fertigpudding in den Kühlschrank.

„Ist deine Kleine schon weg?“

„Ja. Arbeiten.“

„Schade. Hätte sie gerne kennengelernt.“

„Irgendwie komisch…“

„Was?“

„Wir haben uns ja immer nur zu dritt gesehen.“

„Ja.“

M. öffnete zwei Bierflaschen mit dem Feuerzeug und drückte mir eine davon in die Hand. Wir rauchten  und tranken und redeten irgendwelches Zeug von früher. Später schlief er auf der Couch ein. Ich machte was am Computer, bis die Langeweile an mir hochkroch und ich Hunger bekam. Ich stellte mich in die Küche, drehte das Radio laut auf und begann zu kochen. Als alles im Ofen war, dämmerte es bereits. Ich zog die Vorhänge zu, ging wieder ins Wohnzimmer und warf eine DVD in die Playstation. Es war eine Folge einer englischen Krimiserie. Sie handelte von einem Polizisten, der durch einen Unfall im Manchester der 70er Jahre landet. Er weiß nicht, ob er schon tot, verrückt oder im Koma ist. Trotzdem arbeitet er weiter, nur mit dem Unterschied, dass seine neuen Kollegen in der Vergangenheit in Schlaghosen und engen Lederjacken stecken und die Haare lang tragen. Sie sind korrupt und saufen bis zum Umfallen. Sie prügeln sich nach Herzenslust und zünden sich eine Kippe nach der anderen an. M.wachte irgendwann davon auf. Ohne was zu sagen schaute er mit.

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