Bleu außer Atem
- September 28th September 2012
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Bleu ballte die Hände zwei, drei Mal vorsichtig zu Fäusten. Sein Kopf arbeitete; er wusste, dass jetzt jede Entscheidung die er traf, alles veränderte. Möglicherweise war dieses Mädchen eine Option, wahrscheinlich aber ein Holzweg. Bleu war zuversichtlich was seine Chancen betraf, doch körperlich fühlte er sich – nach seinem kurzen Schlaf auf den Steinen am Strand – angeschlagen. Es war wie ein Fieber von der besonders unangenehmen, entzündlichen Art, das ihn bei allem was er tat, beeinträchtigte, sogar beim Augenzwinkern, weil er ständig jede Muskelfaser spürte. Er entschloss sich für den Holzweg.
„Guten Morgen, Maren.“, sagte er. „Ich bin Bleu.“
„Bleu? Wie Blau?“
„Genau. Ein Spitzname, alle meine Freunde nennen mich so.“
Maren straffte mit gerunzelter Stirn ihre Schultern. Aber Bleu lächelte sie so freundlich an und sah in Haltung und Miene so ungekünstelt und echt aus, dass sie ihre Ängstlichkeit beiseiteschob.
„Also, Herr Blau. Lust auf eine Tasse Kaffee?“
„Nichts lieber als das“, sagte Bleu und hob die Papiertüte. „Beim Bäcker war ich auch schon.“
Maren reichte ihm eine kleine feste Hand und zog ihn hoch.
„Wann bist du denn angekommen?“
„Heute früh, aus Orange, noch vor Sonnenaufgang. Ich trampe.“
Ihre Augen leuchteten begeistert.
„Sehr cool. Ich meine, in deinem Alter.“
„Was meinst du damit?“
„Na, mit Dreißig fahr ich sicher mit meinem SL durch die Landschaft.“
Bleu lachte. Es war sein kurzes, verrauchtes Bleu Lachen, für das ihn alle Frauen liebten, ohne dass er es wusste.
„Einen SL, also. Als Krankenschwester? Da musst du aber noch viele Bettpfannen…“
„Ich werde ja auch Ärztin.“, sagte Maren frostig.
Sie blieb stehen und strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht, die sofort wieder zurückrutschte.
„Wo ist überhaupt dein Gepäck?“
„Sekunde.“
Bleu verschwand im Gebüsch und kam kurz darauf mit seinem Rucksack auf der Schulter zurück.
„Und von wegen, in deinem Alter. Ich bin Einundvierzig.“, sagte er.
Sie passierten gerade Seite an Seite die Parkplatzschranke zum Campinggelände. Maren blieb stehen und machte Augen.
„Was? Das kann nicht sein!“
„Willst du einen Beweis? Hier, mein Pass.“
Er zog einen speckigen, schon etwas verbogenen Reisepass aus der Shorts und reichte ihn ihr. Sie blätterte ihn auf und las ungläubig laut vor.
„Tim Blau, geboren am 13.10.1970 in München. Das Bild sieht bescheuert aus!“
Sie lachte fröhlich.
„Und ich werde am 7.Januar einundzwanzig. Endlich volljährig!“
„Eine Steinbockfrau, also.“, murmelte Bleu.

