Ich mag M.

Ich mag M. Wie sie so halb in der Tür vom Cubix am Alexanderplatz steht, von meinem Ruf angehalten. Dieses Lächeln im Gesicht, das M-Lächeln: belustigt und traurig zugleich. Zeit ist darüber gestrichen und Wind. Es beruhigt mich jedes Mal wenn wir uns sehen. Heute Abend ganz besonders und deshalb drücke ich M ungewöhnlich fest. Später setzt sie sich fast schon automatisch an meine rechte Seite. Wir schauen The Ides of March. Sie findet die Politik-Intrige beklemmend, ich inspirierend. Wir sind beide doch sehr unterschiedlich und ich frage mich, warum ich mich in ihrer Gegenwart so wohl fühle. Vielleicht weil wir erstaunlich oft die gleichen Assoziationen und Gedanken haben, vielleicht weil wir sehr ehrlich zueinander sind und vielleicht, weil sie um sich eine Aura verbreitet, die mich an einen fröhlich vor sich hingluckernden Heizkörper am Winterfenster erinnert. Später, als sie im CSA an ihrem Mai Tai nippt und ich meinen Hemingway Special viel zu schnell herunterstürze, schäme ich mich plötzlich dafür, wie böse ich bei unserem Kennenlernen vor drei Jahren zu ihr war. Ich sage es ihr und M. schaut erstaunt. Ich will aber auch gar nicht mehr so sein, wie ich damals war, sagt sie leise. Und ich bemerke, dass ich gar nicht weiß,wie ich damals war, am Todestag von Michael Jackson. Aber eines weiß ich: Ich mag M.

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