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2007.07.20 | 17:53 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Ist Ihnen der Schmul ein Begriff?

[...] Es gibt auch ganz andere Strukturen des "Zwischen", jene etwa, die sich im jüdischen Witz von Katzmann in Paris auftut, wenn der Kaufmann seinen allzu jüdisch klingenden Namen in einen guten französischen Namen verwandeln will, nur um sich in der perfekten französischen Übersetzung des Namens als chat l’homme jüdischer als je wiederzufinden. Im Übergang von einer Sprache zur andern, vom deutschen Katzmann zum französischen chat l’homme springt plötzlich das Hebräische im Schalom als dritte Sprache hervor. Daniel Sibony evoziert die Struktur dieses Raums zwischen den Sprachen als die Leere, in der das Andere als das Unbewusste haust: Das Andere, das Unbewußte ist hier in dieser Höhlung, in dieser Leere, um die mehrere Sprachen kreisen. Baudelaires Verse in Le cygne rufen diese Leere im Namen Ovid (O vide!) an. Der jüdische Witz unterstreicht aber noch eine andere Dimension: die Offenbarung, die Lesbarkeit der dritten Sprache, der Wahrheitseffekt, der zwischen den Sprachen hervorblitzt, resoniert in einem spezifischen historischen Kontext von Erfahrung und Leiden. [...]

Rainer Nägele - Echos : Über-setzen

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