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Befindlichkeiten


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2008.08.22 | 02:34 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Von der Schwierigkeit, eine Linie zu ziehen

Die Schlösser bei Großheringen, dort will ich sein. Unter der Kategorie der Freiheit. Im Wintergarten, in der Villa, am Fuß der Berge. In der seltsamen Deutschheit dieser Dörfer. Die verfallenen Bahnhöfe (niemand steigt hier zu/aus), die Sonne, die Bewegung. Die Verheißung von Glück. Staub über den Äckern. Ich kann das kühle Klingen ahnen, aus den Höfen. Auf den Hügeln Strohballen wie Fallengelassenes großer Nomaden. Ich will unter der Herrschaft dieses einen, guten Geistes sein.

2008.08.19 | 01:40 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Le camping sauvage est interdit

Japander

BBC

~

[...] Die Tautologie ist immer aggressiv. Sie bedeutet einen wütenden Bruch der Intelligenz mit Ihrem Objekt. [...]

Roland Barthes - Mythen des Alltags

2008.08.16 | 15:47 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Die Freuden der Infinitesimalrechnung

Zwischen Bacharach und Bingen hat jemand an eine der Basaltmauern der Weinterrassen, weit über dem Tal, in metergroßen weißen Lettern, jenen nachempfunden, die an derartigen Stellen normalerweise die Rebstöcke ihren Besitzern zuordnen, die freundliche Empfehlung geschrieben: “LEBE VEGAN!”. Dies erinnert nicht von ungefähr an ähnlich große Lettern, die in einem Sommer Ende der Neunziger auf einer Mauer am Fuße des Marburger Domes zu sehen waren, den reminiszenten Befehl formulierend: “ROMANI ITE DOMUM”. Diese jedoch waren von roter Farbe, ebenso wie die Flüssigkeit, mit der sich an jenem Sommernachmittag ein Gegner der im Stadtmuseum gastierenden Wehrmachtsausstellung das schon schüttere Haupthaar übergoss, etwas indifferent wohl mit dieser Handlung auf das aus seiner Perspektive zu Unrecht von Historikern und Presse an die Hände des einfachen Wehrmachtssoldaten geschriebene Blut hinweisen wollend. Seine beiden Mitstreiter machten es sich etwas weniger schwer, indem sie sich handgemalte Plakate vor ihre quellenden Bäuche geschnallt hatten; was auf jenen jedoch stand, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

In der langen Tradition der pädagogischen Studiengänge an der Marburger Alma Mater begründet war naturgemäß die Anzahl der Gegner beschriebener Ausstellungsgegner, welche sich auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig der angrenzenden Hauptstraße versammelt hatten, wesentlich höher, ähnlich hoch wie die Zahl der Polizisten, die zum Schutz des Selbstübergossenen und der Schildträger einen Wall um den Museumsvorplatz bildeten, der uns sowie ein älteres holländisches Ehepaar, mit dem wir gerade gemeinsam die Ausstellung verlassen hatten und das Gelände verlassen wollten, an eben jenem Vorhaben hinderten. Eine Gruppe junger volkstreuer Herren mit Schlagsportzubehör, wahrscheinlich aus dem benachbarten Thüringen angereist, löste unser Bewegungsfreiheitsdilemma jedoch recht bald auf, da wir durch die von ihnen verursachten plötzlich aufreißenden Lücken im Gefüge gen Fluss entfliehen konnten, den kleinen pudeligen Hund, der meiner Begleiterin am vorigen Tage zugelaufen war, unter den Arm geklemmt.

Wie ich später erfuhr, saß während dieser Vorgänge Dr. Bernd Mohnhaupt, damals noch nicht dissertiert, in seiner Dachwohnung mit Blick auf den Museumsvorplatz und dokterte, wahrscheinlich leicht bekleidet, denn es war ein sehr heißer Sommer, an eben jener Arbeit herum, sich fragend, was Lärme und Tumult unten auf dem Platze wohl zu bedeuten hätten. Den Hund warfen wir dann später in den Fluss, da er nicht davon lassen wollte, sich obszön an unseren Beinkleidern und Schuhen zu vergehen. Pudel trocknen jedoch recht schnell. Besonders bei gutem Wetter.

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An St. Goar fuhr der Zug so schnell vorbei, dass das Stationsschild umfiel.

[Vgl. Abb. 1]

We must talk in every telephone
Get eaten off the web
We must rip out all the epilogues in the books that we have read
And in the face of every criminal
Strapped firmly to a chair
We must stare, we must stare, we must stare

Bright Eyes - At The Bottom Of Everything

2008.08.16 | 15:42 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
All fields are optional

[Abb. 1]

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[...] Polarfahrten wollen das Phantasma der Spurlosigkeit, die als Metapher eines absoluten Anfangs ausgeprägt wird, realisieren. Gebunden aber waren sie schon an die Spuren – von Vorläufern, Texten und Modellen. Sie folgen in den Spuren von Vorgängern. Der Ort des Anfangs, der unberührten Spurlosigkeit, wird erreicht als ein sowohl wörtliches wie metaphorisches Nachfahren, als die ausgeführte Nachfahrenschaft oder Intertextualität der Texte. [...]

Bettine Menke - Pol-Apokalypsen

2008.07.27 | 16:43 | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Strategien der Beglaubigung

Vor der Hagia Sophia eine afrikanische Reisegruppe, deren farbenfrohe Gewandnisse wunderbarst mit der Mosaikenausstellung im linken Seitenschiff harmonieren. Aus einer der Baugruben direkt vor dem Hauptportal wird ein wenig tausendjahrealter Staub aufgewirbelt, der kurz zwischen dem Wachpersonal umherwindhost. Ein lichthaariger Engländer mit einem sehr großen Objektiv sucht abenteuerliche Einstellungen und verrenkt sich hinter meinem Stuhl, fällt fast um. Von einer der Eisbuden vor der Umzäunung her erklingt “I Love You Baby”, gefolgt von lokaler Folklore. Ich frage mich, ob ich hinein gehen soll.

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Ob es wohl möglich ist, für längere Zeit an einem Ort zu leben, der keine Küste hat und kein Meer?

In 1911 the governor of Istanbul ordered the stray dogs in the streets to be gathered and deposited to Sivriada, but a severe earthquake which immediately followed the event was perceived as "a punishment by God for abandoning the dogs" and they were transported back to the city.

2008.07.14 | 21:12 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Lost & Found

Come, come, atom bomb
If we one day
ever become like them

Feels like everyone is older now
and look after each other
They have gone to live their lives
and God knows, I have to live mine

I'm standing in the Vasa park
watching boys and girls walk through the love grove
I would trade place with any of them in a second
if I could

Everyone is older now
and look after each other
They have the clouds in their arms
and you write words like Murder in the hand

Come, come, Armageddon
if we one day
ever become like them

Håkan Hellström - Atom Bomb

2008.07.13 | 17:20 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
We wish for electric storms and love

Ein deutscher Sommer. Stahl und Öl und das Flirren der Hitze über den Schienen. Metallsommer. Gegenüber im Zug zwei Polizisten und eine weißgewandete Frau mit einem großen Plastikbeutel voller Kirschen. Vor dem Fenster setzt sich langsam der Tchibo-Stand in Bewegung und statt der absurd anachronistischen Glocke der Bahnhofshalle stülpt sich plötzlich wieder die große Bläue des Himmels über alles. Es ist kühl im Abteil und riecht nach Kuchenteig. Aus der Klappe des kleinen Mülleimers unter dem Fenster ragt ein breiter roter Trinkhalm heraus, wie die Zunge, die er nicht hat. Draußen löst sich die Stadt langsam auf, zergliedert sich in urbane Randgebiete, zerfasert in Industrie, Reihensiedlungen und Schrebergärten. Zersetzungserscheinungen. Auf den Dächern der Vorstädte drehen sich glitzernd die Verteilerhauben der Abluftrohre, die vergitterten Fenster der Betriebsgebäude weinen Rost. Vom Dreck ihrer Geschichte wird sie jedoch kein Gewitter reinwaschen können. Ich wünschte, ich könnte mehr sagen als die, die vor mir waren. Man ist immer befangen, wenn man beim Schreiben an jemand anderes denkt als sich selbst oder die Welt. Niemand weiß, dass ich kommen werde. Die Ansagen der Computerstimme sind nicht richtig getaktet, der Schaffner reicht zu jedem Halt die richtigen Stationsnamen nach. Abschalten geht wohl nicht. Die Polizisten schlafen, symmetrisch einander gegenüber, wie ein Gemälde von Magritte. Die Frau mit den Kirschen ist ausgestiegen. Vor dem Fenster plötzlich nur noch Wald, Nadelhölzer, skandinavisch. Immer wieder verlassene Bahnhöfe, an denen niemand zusteigt. Große graue Landschaften der Hoffnung, in denen lange Güterzüge schlummern, auf den Containern arabische Schrift. Auf allen Backsteingebäuden kleine Türme und Zinnen. Wälder mit Sandböden, über die sich glänzende Rohre schlängeln, eingezäunte Truppenübungsplätze, eine S-Bahn, ein ICE, wenige Sekunden hintereinander auf dem gleichen Gleis. Dann verschwindet die Sonne und ich glaube, zwischen den Baumstämmen und Gräsern einen umgestürzten Grenzpfosten gesehen zu haben. Die Polizisten sacken synchron immer weiter in sich zusammen. Alles ist erleuchtet. Dann wieder ein neuer, heller Zaun, Eichen vor dem Fenster, Laub, das Schatten auf die Uniformierten wirft. Auf dem Nachrichtenscreen: “Amokfahrt mit Bulldozer. Ein Palästinenser tötet drei Israelis, bevor er selbst von einem Israeli erschossen wird.” Ich bin voller Angst und Hoffnung. Wie wir zueinander sprechen können, soll weiterhin das schönste Geheimnis bleiben. In Erkner sind die Fenster zugenagelt und alle Menschen, die aussteigen, tragen blassbunte Hemden und Plastiktüten von Galeria Kaufhof. Wie der Engel der Geschichte sitze ich rückwärts zur Fahrtrichtung. Auch wenn dieser wahrscheinlich nicht den Regionalexpress nahm. Durch den Forst ziehen sich lange Schneisen für die Autobahn oder gegen das Feuer. Ich bin voller Angst und voller Hoffnung. Die Lichtmuster auf den Waldböden und die verschwimmenden Stämme der Birken. Neue Bahnsteige vor alten, verfallenen Wärterhäuschen. Man könnte denken, ich müsste nicht immer wieder auf das Handy schauen, da es ohnehin keinen Empfang hat, hier draußen, in den Wäldern – doch vielmehr ist es so, dass bloß niemand anruft. Immer wieder schwedische Landschaften, dann polnische, dann wieder deutsche. Waldstücke, Rangiergleise, Bahnhöfe. Die Nachmittage, die wir an den Seen verbracht haben, träge und glücklich. Ein zugestiegenes Mädchen mit Pagenkopf sagt: “Puh, bloß nach Hause.” Nach Hause. Dann fahren wir durch Finsterwalde (Spree). Die Mädchen sprechen über Gurkenschäler. Manchmal sehne ich mich danach, zu vergessen. Noch 181 Tage bis zum Ende des Jahres. Alles was lebt, bewegt sich. Ich habe Angst, deine Nummer zu wählen. Die Landschaften werden weit. Eines der Mädchen ruft zuhause an, lässt sich ihren Bruder geben und fragt, ob er ihr zum Bahnhof entgegen kommen könne, ihr sei so langweilig. Mit bittender Stimme verlässt sie das Abteil. Hier sind vor 63 Jahren die Panzer durchgerollt, breite Schneisen in den goldenen Feldern hinterlassend. Am Horizont dann eine Gruppe Windräder, kurz vor dem Ziel. Hinter dem Fluss beginnt ein anderes Land.

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2008.07.03 | 19:20 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
I’ll be your mirror, Bildnachtrag

A friend of a friend whom I never met.

COMMENTS

1 - posted by brittbee | 2008.07.07 | 10:57

whom i once met. so isser.

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